Donnerstag, 11. April 2013

Interessante Einblicke

Bildung - die meisten Leute verstehen unter diesem so weltbewegenden Begriff einen 10-Stunden-Tag in einem grauen Komplex in einem noch graueren Raum, mit 30 anderen Mitmenschen und einer tapferen Person die versucht, die "wissbegierigen" mittelreifen Jugendlichen über Chemie, Französisch oder Mathematik aufzuklären.

In den knapp zwei Jahren, die ich nun im Ausland verbracht habe, hat sich der Begriff der Bildung und des gebildeten Menschen für mich jedoch drastisch gewandelt. Es geht nicht mehr nur darum zu wissen was der Satz des Pythagoras ist, wie sich DNA vervielfacht, oder was der Hintergrund der Motive des Michael Kohlhaas' waren - ein gebildeter Mensch in unserer heutigen, globalen Zeit ist viel mehr derjenige, der es versteht tolerant, besonnen und zuvorkommen gegenüber jeder ihm womöglich begegnenden Person oder Kultur zu sein; ein Mensch der versteht warum Andere so sind wie sie sind, ihre Verhaltensweisen analysieren kann und gut mit ihnen harmoniert.

Wer diesen Weg zum "gebildeten Weltbürger" einschlägt hat mit diesem Ziel zwar sein ganzes Leben die Hände mit fremden "Vorlesungen", "Hausarbeiten" und "Prüfungen" voll zu tun, kann dabei jedoch Unmengen an wertvollen Erfahrungen für das Leben und den Umgang mit Anderen sammeln und schließlich als ein sicheres und offenes Individuum auftreten.

Den gleichen Pfad werden auch rund 60 chilenische Studenten nehmen, wenn sie im Sommer für ein Jahr nach Deutschland kommen. Da die Universität zu Talca einen sehr innigen Draht zur deutschen Kultur hat (frag' ich mich bis heute warum), wurden alle Deutschland-Auslandsjahr-Anwärter Chiles für 6 Wochen in meine schöne Stadt eingeladen.

Wir, die einen guten Draht zum DAAD-Büro vor Ort haben, wurden auch direkt in den ersten Wochen eingeladen, um den Neu-Deutschen einen kleinen Einblick in unsere Kultur zu geben und - natürlich - mit ihnen auch das ein oder andere Bier zu trinken (sie müssen sich schließlich dran gewöhnen, dass man bei uns mehr Gerstensaft als Wasser trinkt).

Interessanter wurde es, als wir von den 7 am weitesten fortgeschrittenen Schülern für eine Hausarbeit interviewt worden. Wir trafen uns eines Nachmittags an der Uni und wurden in teils gebrochenem, teils erstaunlich gutem Deutsch über die momentane Situation in unserem Land befragt. Hier kleine Ausschnitte der Arbeit, die sie mir haben zukommen lassen:


"Eine kleine Einführung zu meiner Person.."


"Ein Portrait des Interviews (ich bin rechts vorne).."



Neben diversen Zusammenkünften und Parties mit den "Deutsch-Chilenen" wurde es auch auf der Arbeit mal wieder interessant: Diesmal stand die Einweihung eines neuen sog. "Condominios" auf dem Plan. Diese umzäunte Siedlungen von knapp 30 Häusern sind erste Kinderschritte der Regierung, neben den privaten Organisation wie der "Hogar de Cristo" auch mal sozial aktiv zu werden - geleitet wird sie aber wohl trotzdem von uns.

Rund 30 ältere Herrschaften bekommen so eines dieser Häuser bis an ihr Lebensende zugesprochen. Sie haben einen Gemeinschaftsraum, eine Sozialarbeiterin vor Ort und alle anderen Dienstleistungen unserer Organisation (Psychologe, Begleitung falls notwendig etc.). 



An einem warmen Freitagnachmittag versammelten wir uns also zusammen mit den hohen Tieren der Regierung und Funktionären des "Hogar de Cristo" aus der Zentrale in Santiago in besagtem "Condominio", um die symbolische Schleife zu durchschneiden. Maike und Ich waren den ganzen Vormittag damit beauftragt, das Catering nach Vollendung der Zeremonie vorzubereiten und den Anweisungen eines wohl menstruierenden weiblichen Generals der Santiago-Delegation zu folgen.


"Unser wunderschön angelegter Selbstbedienungs-Tisch"

Die eigentliche Zeremonie war ein unerträgliches Lobreden und Klopfen auf die eigene Schulter der Regierungsgesandten aus der Moneda. Wie so vieles in diesem Land, wurde auch dieser Tag als "bahnbrechend" und "historisch für die Sozialarbeit in Chile" anerkannt und die Einweihung als "großes Zeichen gegen Armut" gewertet. Sie scheinen sich wohl noch nicht ganz von der Pinochet-Diktatur erholt zu haben - zumindest was die überschwenglichen Reden betrifft.




Nach der Seligsprechung der neuen Bewohner durch den Pfarrer und das filmreife Zerschneiden der Einweihungs-Schleife, waren alle Beteiligten auch erstaunlich schnell wieder in ihren Autos und auf dem Rückweg nach Santiago. An diesem Tag hatten sie wohl schon "genug Gutes" getan...






Ach, und fast hätte ich noch etwas wichtiges vergessen! Ich arbeite nun offiziell zwei Tage die Woche mit Obdachlosen. Nach einem langen hin und her bin ich nun Montags und Freitags von 18.00-21.00 in der sogenannten "Hospedería" um dort als Freiwilliger aktiv zu werden. Die Obdachlosen bekommen hier ein warmes Essen, ein Bett zum schlafen, einen Fernseher, und gute Unterhaltungen mit uns Voluntarios. Es gibt 15 feste 2-Jahres-Plätze für extreme Fälle, die zusätzlich vom "Hogar" betreut werden und 15 weitere Betten, die man für höchstens 10 Tage beanspruchen kann.

Mein erster Arbeitstag lief bereits sehr vielversprechend. Die erste Stunde mache ich den "Ingresso" - also notiere ich die Namen eines jeden, der die Hospedería betritt und sammle die 300 $ (50 Cent) ein, die die Übernachtung kostet. Wenn die meisten fertig gegessen haben setzen wir uns entweder mit ihnen in den Patio um Neuigkeiten auszutauschen oder gucken zusammen fern. Generell empfinde ich hier ein viel besseren Zusammenhalt innerhalb der Gruppe - ein Verhaltensmuster, dass ich bei den Rentnern sehr vermisse.

Auf der Straße wird mir wohl nun nichts mehr passieren. Meine Präsenz hat sich wie ein Lauffeuer unter den Obdachlosen herumgesprochen und an allen Ecken werde ich herzlich von den verschiedensten Leuten gegrüßt und umarmt - es macht einen riesen Spaß!

Un abrazo,

Niclas

Mittwoch, 3. April 2013

Geben und Nehmen..

Es ist einer dieser Tage - 35°C, die Sonne brennt durch das chilenische Ozonloch und lässt dich bei absolut trockener Atmosphäre fühlen wie ein am Strand langsam verendender Fisch, der mit letzter Kraft versucht zurück ins Wasser zu hüpfen.

Ich in meinem Fall habe Gott sei Dank zwei lange Beine anstatt Flossen und bin etwas schneller zurück an der Wasserquelle als der arme Fisch. Die Erfrischung im hauseigenen Pool von Maikes Gastfamilie kam somit mehr als einladend. Bei einem Schöfferhofer-Grape langsam auf einem Ring im Pool herumtreibend, ließ sich der brutal heiße chilenische Sommer definitiv ertragen.

Die aus der enormen Hitze resultierenden überaus angenehm milden Nächte machten sich auch diverse Party-Veranstalter zunutze, und so stieg in der zweiten Januarwoche ein riesiges Event namens "Open-Colbun" an gleichnamigem See. Wir besorgten uns VIP-Tickets für umgerechnet 25 Euro, die uns einen speziellen Bereich, freien Alkohol die ganze Nacht und freies Essen garantierten.

Mit einem Sammelbus ging es somit an besagtem Samstag gegen 22:00 vom Plaza in Talca aus in Richtung See. Dort angekommen mussten wir erst einmal feststellen, dass die Party nicht in unmittelbarer Nähe des Wassers, sondern in einer etwas weiter entfernten überdimensionalen Grube stattfinden sollte. Für uns war ein schnellerer Eintritt organisiert und so fanden wir uns auch direkt an der riesigen Bar, die erlaubte in unglaublicher Geschwindigkeit den Alkoholvorrat aufzufüllen. Ich werde nicht mehr von diesem Abend erwähnen, nur dass wir um 7 Uhr morgens zufrieden und schlafend im Bus zurück saßen. Auf dem Nachhauseweg sammelte mich freundlicherweise noch mein Friseur auf, der mich nach einem Morgen-Kaffee in seinem Haus noch nach Hause fuhr.

Auch auf der Arbeit wurde es nicht langweilig: Uns erreichte ein Anruf der Nachbarin von einem unserer "Opis" im Büro. Anscheinend war bei dem schwerhörigen und an Parkinson leidenden Don Ramón eingebrochen und sein Fernseher samt Handy gestohlen worden. Allein schon die Nachricht versetzt einen in Wut, wenn man sich überlegt, dass hier für Geld nicht mal vor Alten und Schwachen Halt gemacht wird.

Wir machten uns auf den Weg und fanden einen aufgebrachten Don Ramón in seiner Wohnung auf. Er erzählte uns, dass er nur kurz das Brot für das Abendessen kaufen war, als er auf dem Rückweg gerade noch seinen Nachbar aus der Wohnung über ihm aus seiner Tür huschen sah.

Der Fehler war schnell gefunden: Obwohl es Don Ramón selber nicht verstand, fanden wir heraus, dass er sein Fenster nicht verschlossen hatte und man so mit einem schnellen Griff ganz leicht den Türgriff von innen öffnen konnte - leichtes Spiel für den Dieb.

Meine Aufgabe war es nun mit ihm zur Polizei zu gehen und die nächsten juristischen Schritte zu planen; immerhin wusste Don Ramón ganz genau wer ihn bestohlen hatte. Die Euphorie wurde jedoch schnell gestoppt, als wir herausfinden mussten, das Anzeigen mit Selbstverschuldung als Bestandteil als Allerletztes behandelt werden und man somit ungefähr ein Jahr warten müsse. Schweren Herzens musste ich somit Don Ramón beibringen, dass er in nächster Zeit auf seinen Fernseher verzichten müsse - außerhalb des Programmes wahrscheinlich die letzte wirkliche Freizeitaktivität, die er alleine und ohne Einschränkung betreiben konnte...

Un abrazo,

Niclas

Dienstag, 2. April 2013

Guck mal, was ich habe!

Ich weiß schon was ihr denkt: Was treibt dieser Typ dort drüben eigentlich? Erst macht er sich für eine Woche vom Acker und danach kloppt er sich auf diversen Familienfesten die Birne voll - wann arbeitet der denn mal?

Die Frage ist durchaus berechtigt und ja, ich musste mich so langsam auch mal wieder auf meine eigentlich Funktion hier in Talca fokussieren: Rentner entertainen und Kleinkinder zum Lachen bringen.

Neben den alltäglich beliebten Aktivitäten wie Bingo, Malen oder Windeln vollkacken durfte ich diese Woche die Kindergärtnerinnen in einer Runde ihrer "Hausbesuche" begleiten. Hierbei überprüfen die "Tias" entweder Familien bereits eingeschriebener Kinder auf deren Lebensumstände, oder interviewen Aspiranten um Notwendigkeit und Seriosität sicherzustellen.

Auf unserem Plan standen 3 Familien, die ihre Kinder gerne in unseren Kindergarten stecken würden. Meistens ist hierbei der Hintergrund, dass die Mutter entweder tagsüber studieren will (im besten Fall) oder versucht, neben ihrem Mann noch eine zusätzliche Arbeit zu finden. Ich werde euch den Fall vorstellen, der mir die meisten Fragen aufgeworfen hat:

Wir gehen die Treppen hoch in's dritte Stockwerk eines Sozialwohnung-Blockes nördlich unserer Arbeitsstelle inmitten des "Las Americas Barrio" - dem ärmsten Viertel der Stadt. Eine junge Frau, nach meinen Schätzungen nicht älter als 20 Jahre, öffnet uns die Tür. Schon nach drei Schritten in die Wohnung bereiten die ersten Ungereimtheiten meinen Schaltkreisen Probleme: Die Wohnung ist top ausgestattet - neue Sessel, ein schöner Teppich auf dem ein grüner Designertisch steht, eine fette Anlage aus der leise Musik dudelt und in der Mitte des Raumes thront als Highlight ein niegel-nagel-neuer Plasma-Fernseher von Sony. Gut, denke ich mir, vielleicht gibt es einfach noch finanzielle Zuläufe von denen wir später im Interview erfahren werden.

Das Mädchen ist 22, wie alle Chileninnen habe ich sie mal wieder jünger geschätzt als sie tatsächlich ist. Die Wohnung haben sie und ihr Freund vor kurzem vom Staat zugesprochen bekommen (jede Person wird nach einem Punktesystem bewertet und kann danach für billig Geld eine Wohnung beanspruchen - in einem meiner nächsten Einträge mehr dazu!) und sie leben nun zu dritt mit ihrem 2-jährigen Sohn auf, ich schätze, knapp 50 Quadratmeter Wohnfläche. Wir starten das Interview. Sie will studieren und braucht somit dringend eine Tagesstätte, in die sie ihr Kind während ihrer Lesungen geben kann. Sie klingt sehr optimistisch und der Gesamteindruck der kleinen Familie gefällt mir - immerhin hat es der Vater doch glatt geschafft, nach 2 Jahren mit dem Kind seine Freundin immer noch nicht verlassen zu haben (was hier bei mindestens 70% der Fälle passiert).

Doch dann lässt sie die Bombe platzen: Ihr Freund, als Alleinverdiener der kleinen Familie, ist nur temporär angestellt und bekommt einen Monatslohn von knapp 230.000 Pesos (400 €). Ich verstehe die Welt nicht mehr - wie zur Hölle konnten sie sich all die kostspieligen Möbel leisten, von denen allein der Fernseher mindestens 1.000.000 $ (1600 €) kostet? Nach meinen Berechnung wäre das mindestens 1 Jahr hungern und danach sah die etwas speckige junge Frau definitiv nicht aus. Meine Kolleginnen jedoch nehmen dies zur Kenntnis als wäre überhaupt nichts passiert, während ich glucksend versuche diese Situation zu begreifen.

Der Junge wird angenommen und nach einer kurzen Verabschiedung schweife ich meinen Blick noch einmal durch die Wohnung bevor ich meine Kolleginnen sobald sich die Tür geschlossen hat sofort zur Rede stelle.

Die Erklärung ist schließlich recht einfach: Es gibt in Chile 3 große Kaufhäuser die allesamt ebenfalls ihre eigenen Kreditkarten anbieten. Mit diesen Kreditkarten, mit denen man bis knapp 2.000.000 $ ins Minus gehen kann, ziehen jene Kaufhäuser ihre Kunden in einen Sog lebenslanger Schulden-Abarbeitung. Nun, Ich übertreibe, aber 3 Jahre sind es im Normalfall immer, die ein Minimalverdiener arbeiten muss um z.B. LEBEND einen Plasma-Fernseher abzubezahlen.

Ich beginne das System zu verstehen. Fast jeder Chilene lässt sich schlussendlich von diesen Angeboten locken - die Armen bleiben arm, die noch Ärmeren werden im schlimmsten Fall noch viel ärmer. Was mir bleibt ist ein riesiges Fragezeichen, dass wie wild um die Idee des Materialismus in meinem Kopf herumschwirrt - wo führt das hin?

Un abrazo,

Niclas

Sonntag, 31. März 2013

La vida tranquila..

"Das ruhige Leben" - so kann man den ersten Monate des neuen Jahres wohl am besten beschreiben. Der wilden Neujahrsfeier folgte eine entspannte halbe Woche (wir hatten wieder mal ein langes Wochenende) auf der Arbeit, in der jeder noch stolz seine Vorsätze für die neue Sonnen-Umrundung auf der Brust umhertrug und sich das Fitnessstudio auf magische Art und Weise bis unter die Decke füllte.

Da Talca mindestens um die 50.000 Studenten beherbergt, die über die Sommerferien alle nichts mehr wollen als nach Hause zu Mami zu fahren - im Schnitt bleibt ein Chilene sowieso bis 25 Jahren in seinem Elternhaus - sinkt der Spaßfaktor der Stadt unter einen angenehmen Wert. Was tun?

Nun, es ist Sommer und der Strand ist nur 1 1/2 Stunden entfernt - ein kleiner wöchentlicher Ausflug an die maulinische Pazifikküste war also die logische Folgerung unserer kurzen Überlegungen.

Constitución ist die geographisch näheste Küstenstadt zu Talca und gemütlich mit einem antiken Zug namens "Ramal" zu erreichen. Dieser alte Bummelzug ist einer der wenigen übrig gebliebenen historischen Sehenswürdigkeiten der siebten Region. Da er jedoch nur zwei mal am Tag die 3 1/2 -  stündige Fahrt an's Meer unternimmt, muss der eintägige Strandbesucher die frühe Abfahrt um 7:30 morgens wahrnehmen. Die Vorfreude ging jedoch schnell flöten, als in klassischer Hollywoodfilm-Manier die letzte Fahrkarte an den Mann vor uns verkauft wurde - schön blöd!

Also mussten wir auf die rucklige Fahrt mit der Bimmelbahn verzichten und nahmen den Bus. Die nun nur 2-stündige Busfahrt klärte uns unser Freund und Fremdenführer für den Tag - Estéban - über die tragische Geschichte jener Stadt auf, die wir in Kürze besuchen würden: Das Epizentrum des Erdbebens von 2010 (das viert-stärkste jemals gemessene Erdbeben der Erde), lag nur unmittelbar vor der Küste von Constitución. Aufgrund mehrerer Fehlinformation brachte sich nach dem Erdbeben niemand auf den Hügeln in Sicherheit und rund 2 Stunden später überraschte eine riesige Flutwelle die Einwohner...

Bis heute trauen sich außer Touristen und die Einwohner von Constitución, die in Talca wohnen, keiner mehr in die Stadt, da die abergläubischen Chilenen meinen, man würde am Strand noch die Schreie der Toten hören.

Was sie dabei verpassen ist ein wunderschöner schwarzer Sandstrand mit dem königlich über den Strand wachenden "Piedra de Iglesia" im Hintergrund. Grund genug für mich, den fehlenden Schlaf vom frühen Aufstehen bei beruhigendem Meeresrauschen nachzuholen.



Einem kleinen Spaziergang entlang des wunderschönen Strandes folgte ein leckeres Essen in einem strandnahen Restaurant. Auf dem Speiseplan: Krebskuchen! Ihr habt richtig gehört - dieser mit Käse und Krebsen gebackene Kartoffelauflauf war die perfekte Stärkung nach einem anstrengenden Erholungstag am Strand.




Um der immer weiter fortschreitenden Rötung auf meinen Schultern Einhalt zu gebieten, gingen wir noch in das berühmteste Lokal der Stadt in der Nähe des Busterminals. Hier bekommt man den besten "Ponche" in der Stadt. "Ponche", das ist eine Wein-Boule mit der Frucht deiner Wahl, die hier vor allem am 18. September sehr beliebt ist.

Was für ein Leben, wenn das Meer so nah ist! Ich frage mich, warum ich nicht öfters hier bin..

Un abrazo,

Niclas

Samstag, 30. März 2013

3,2,1....2013!

Was für ein Jahr! Das Abitur in der Tasche, den besten Sommer meines Lebens hinter mir und den Start in ein neues Leben am anderen Ende der Welt erfolgreich gemeistert. 2012 war definitiv das spannendste und richtungsweisende Jahr meines Lebens.

Entsprechend musste ich natürlich die positive Energie jenes Jahres zusammen packen und versuchen sie im Neuen wieder freizusetzen. Und wie macht man das als 19-jähriger Möchtegern-Erwachsener? Genau - gnadenlos die Sau raus lassen.

Dieses Silvester, diese Neujahrsfeier, sie musste etwas besonderes werden - um mich auf den Wogen des Erfolges weiterhin tragen lassen zu können (...und das Lebertraining nicht zu vernachlässigen).

Gott sei Dank, gibt es da das in Südamerika berühmt berüchtigte Feuerwerk von Valparaíso, das jedes Jahr Massen von Santiago und Umgebung in jene Pazifikbucht lockt um das größte pyrotechnische Spektakel des Kontinents zu bestaunen. 

Die Devise "Nimm alles mit was du kannst" griff natürlich unvermittelt und schon saßen wir - Marc, ein schweizerischer Freund von mir der in Santiago wohnt, sowie Matias und Felipe, zwei Cousins und Freunde meinerseits aus ebenfalls jener Hauptstadt - am Nachmittag des 31. Dezember bei 30°C gemütlich zu viert im Auto Richtung Meer. Nach einem kurzen Boxenstopp an der ersten Autobahn-Haltestelle, ging es zwischen mir und den zwei anderen nicht-fahrenden Insassen an die feuchtfröhliche Vorbereitung des Abends. Lustig hierbei: In der Öffentlichkeit ist der Konsum alkoholischer Getränke verboten und somit auch im Auto. Vor jeder Autobahnbrücke (auf denen an diesem Tag Schwärme von Polizisten standen) warnte also einer der Insassen mit einem lauten "Paco!"-Ruf die Anderen um schnell ihre Bierdose zwischen den Beinen verschwinden zu lassen.

Angekommen in Viña del Mar, die reichere und etwas ruhigere Nachbarstadt Valparaísos, parkten wir unser Auto in den wahrscheinlich letzten freien 3,50m der Stadt und machten uns mit unserem flüssigen  Gepäck auf an den Strand um noch den Sonnenuntergang zu genießen. Zu dieser Stunde war es bereits erlaubt auf den Straßen den einen oder anderen zu trinken!

"Kurz" in der einzig offenen "Botellería" - wir warteten knapp eine Stunde - den Alkoholvorrat aufgefüllt, ging es mit dem Bus gen Valparaíso. Nach zwanzig Minuten Fahrt stiegen wir am Fuße des "Cerro Alegre" dem berühmtesten Hügels der Stadt aus und kletterten hoch zur "Pasaje Yugoslavia", dem besten Aussichtspunkt über die ganze Bucht. 

Was wir vorfanden war gigantisch: Bereits knapp 150 Leute saßen trinkend und feiernd in dieser kleinen Seitenstraße mit Sackgasse und genossen die letzten Stunden des alten Jahres. Wir trafen weitere Freunde aus Santiago mit denen wir uns verabredet hatten und fingen an gemeinsam das neue Jahr herbeizutrinken.





Kurz vor 12 stiegen wir über den Zaun, der das letzte Hindernis auf eine perfekte Sicht darstellte und warteten auf den Countdown. Mit ein bisschen Verspätung (typisch Chile) fing das gigantische Feuerwerk eine Minute nach 12:00 an. Ich muss sagen, ich habe niemals ein solch schönes und perfektes Spektakel gesehen - ich lasse euch mit den Impressionen kurz alleine:





Danach ging die Party jedoch erst richtig los. Die Straße war nun komplett voll und man spürte förmlich die positive Energie, die von allen teilnehmenden Personen ausgestrahlt wurde. Überall umarmten sich fremde Leute, es wurde der Alkohol geteilt und man stimmte gemeinsam in die nun aus allen Ecken dudelnden Lieder mit ein. Nur ich hätte mir fast noch den neujährlichen Krankenhausbesuch gegönnt, als ich beim Versuch erneut über den Zaun zu klettern fast mit dem Gesicht zu erst auf dem zwei Meter tiefer sich befindenden Erdboden gelandet wäre und den Hügel hinab gepurzelt wäre. Hier nochmals ein Schulterklopfer für mein unglaublich geniales Gleichgewichtsgefühl - es lässt mich einfach nie im Stich.





Um etwa 3:00 morgens wurde es uns jedoch etwas langweilig in der Einbahnstraße und wir guckten uns noch ein bisschen im Rest von Valparaíso um. Was sich uns hier auftat war eine absolute Neuheit für mich. Ich lüge nicht wenn ich sage, dass absolute JEDE Straße packend voll war! Überall lief Musik und die Leute feierten mit dem Bier in der Hand das Leben. 

Wir endeten nach einem kurzen Snack-Stop in einem Imbiss hoch oben auf einer Baustelle. Fragt mich nicht wie wir dort hinkamen oder WARUM dort eine Feier war - es war die lauteste Musikquelle der ganzen Stadt und wir wurden wie Mücken vom Licht angezogen. 

Auf der Baustelle befanden sich knapp 200 feierlustige, junge Leute, die bei dröhnendem Minimal über Stock und Stein hinwegtanzten. Zur Kuriosität, dass der DJ nirgendwo zu sehen war, gab es inmitten des Venues eine Rutsche - wahrscheinlich für die schwereren Steine - von der sich die Party-Bevölkerung bei lauter Anfeuerung der unten gebliebenen Gäste beim hinabrutschen feiern ließ. Es fühlte sich an, wie bei einer gigantischen High-School Party aus einem amerikanischem Film dabei zu sein.






Von der fast anarchischen Atmosphäre dieser Nacht begeistert, blieben wir noch bis die Sonne schließlich am Horizont zum Vorschein kam um erstmals das Jahr 2013 zu begrüßen. 

Nach der Rückkehr zum Auto in Viña schliefen wir knapp zwei Stunden bis uns die davor verloren gegangenen Matias und Marc durch lautes Klopfen an die Autoscheibe weckten. Gemeinsam fuhren wir zum Frühstück zum Fischmarkt in Valparaíso wo ich mir einen leckeren frittierten Lachs mit Pommes gönnte. 

Halb tot, halb lebendig schleppten wir uns gegen 11:00 zurück nach Santiago und verbrachten den Rest des Tages auf der Couch vor'm Fernseher.

PS: Das Feuerwerk wurde zwei Tage später in's Guiness Buch der Weltrekorde eingetragen - ich hatte das größte pyrotechnische Ereignis der Geschichte miterlebt! 

Hoffen wir, dass 2013 genauso wird.

Ich wünsche euch einen super Start und ein wunderschönes und erfolgreiches neues Jahr!

Un abrazo, Niclas

Freitag, 29. März 2013

Feliz Navidad, prospero año y felicidad...

Die Nächte werden länger, die Temperaturen purzeln in Tiefen, die so manchem von uns die Motivation raubt, sich überhaupt morgens aus dem Bett zu hieven und generell flucht jeder über das typische Heielberger "Schmuddel-Winter-Wetter".

Trotzalledem kommt er so langsam: Der Duft von saftigem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, frischgebackene Plätzchen zuhause und die zwar minimale, aber zweckerfüllende Weihnachtsdeko der traditionsfaulen deutschen Bevölkerung lässt den Geist der Weihnacht Stück für Stück zum Leben erwecken.

Um ehrlich zu sein, hatte Ich so ein bisschen Probleme bei 35°C und langen 16-Studen-Tagen in Weihnachtsstimmung zu kommen. Nichtsdestotrotz beginnt in Chile in der Zeit nach dem dritten Advent ebenfalls der ganz normale Weihnachtswahnsinn: Von den Dächern hängen bärtige, dicke Männer mit rot-weißen Roben, das Wohnzimmer wird mit dem aus dem Keller geholten Plastik-Tannenbaum ausgestattet, und es dudeln die wohlbekannten Weihnachtslieder aus allen Ecken. Zur Abwechslung wurden jedoch meine Ohren nicht mit Mariah Carey's "All I want for Christmas" oder Wham!'s "Last Christmas" gefoltert, sondern haben die Südamerikaner neben "Feliz Navidad" ihre eigenen 5-6 Gehörgang-Vergewaltiger, die in Dauerschleife durch Radios und Einkaufshallen zum Besten gegeben werden. Dies alles jedoch bei stechendem Sonnenschein, Flip-Flops und kurzer Hose zu erleben fühlte sich so ziemlich seltsam an.

Auch auf unserer Arbeit hielt die Weihnacht so langsam ihren Einzug. Maike und Ich bastelten für die süßigkeitssüchtigen älteren Herrschaften einen Adventskalender mit kleinen Schoko-Bonbons. Jeden Tag durfte so ein glücklicher Teilnehmer ein Türchen samt Bibelspruch in Empfang nehmen. Neben dem geschmücktem Tannenbaum klebten wir einen riesigen Weihnachtsstern, auf den Alle ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft schrieben, an die Wand.

Schon am 19. Dezember mussten wir jedoch Weihnachten in der Tagesstätte feiern, da Weihnachten schließlich dieses Mal auf einen Dienstag fiel und wir ein langes Wochenende zugesprochen bekamen!
Mit Brille, Kissen unter'm T-Shirt und rot-weißem Bommelhut auf dem Kopf hatte ich sogar die Ehre den "Viejo Pascuero", den Weihnachtsmann, für die "Abuelitos" zu mimen.

In der Vorwoche hatten wir bei verschiedenen Unternehmen, unter anderem der Polizei, nach Geschenk-Spenden für die Teilnehmer unseres Programmes gefragt, und ich durfte jene nun überreichen. Wie brave Kinder bedankte sich jeder "Opi" und jede "Omi" mit einem Lächeln bei mir mit "Muchas Gracias, Viejito Pascuero" und riss in der gleichen Manier sofort neugierig sein Geschenkchen auf. Der leckere Weihnachtsbraten für alle rundete den schönen Nachmittag erflogreich ab.

Das größte Geschenk machte mir jedoch José Bello, ein Teilnehmer, der die Woche zuvor von seiner Familie aus seinem Haus geschmissen wurde und seitdem auf der Straße leben musste. Ich hatte in dieser schweren Zeit immer ein offenes Ohr für ihn und tröstete ihn wenn er mal wieder total von der Situation überfordert in Tränen ausbrach. Er schenkte mir nach dem Mahl eine selbstgemachte Karte mit den Worten: "Die Familie ist das wichtigste Gut, pass immer auf sie auf und bete täglich dafür, dass sie intakt und erhalten bleibt. Danke für Alles." Zusammen mit den Worten, die er mir in der Karte gewidmet hatte überkam mich ein starkes Wechselbad der Gefühle. Zum einen hatte ich gerade das wahrscheinlich wunderbarste Weihnachtsgeschenk meines Lebens erhalten, jedoch wusste ich auch um die traurige Tatsache, dass José Bello diese Weihnachten alleine feiern musste.




Natürlich ist Weihnachten nichts ohne den dazugehörigen Kirchengang vor der Bescherung inklusive Krippenspiel. Am Tag vor Weihnachten lud mich Juan ein, mit in die Kirche unserer Cousine zu kommen und das Weihnachtsfest auf religiöser Ebene zu beginnen. Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Glauben ausdrücken sollte, wie er es als richtig empfindet. Deswegen werde ich nun auch ganz nüchtern von diesem Kirchengang berichten - ohne Witz, ohne Sarkasmus!

Die heilige Stätte der Gemeinde, in der wir also den weihnachtlichen Grundstein legen wollten, war nicht etwa eine klassische Kirche, sondern ein kleines Event-Center, das mit Plastikstühlen für das Publikum zugestellt war. Nach einem kurzen Einleitungsfilm über Jesu' Opfer, begann ein Theaterstück, dass sich mit Gott im Alltag beschäftigte. Gefolgt wurde dies von zwei Künstlern, die singend und rappend Lieder der Weihnacht sangen. Eine unterhaltsame Stunde war bereits vergangen als die Pfarrerin, eine normal gekleidete, kurzhaarige kleine Frau, die Bühne betrat. Die folgende Stunde referierte sie teils flüsternd, teils hysterisch kreischend über Gott und alltägliche Mandate. Überall im Raum hörte man immer wieder Zurufe der Teilnehmer, bis sich die komplette Gemeinde - außer Ich - bei rich repetierender, psychodelischer Musik und dem lauten Schreien der Pfarrerin folgend vorne am Altar einfand. Wie in Trance rissen sie die Hände hoch und schwangen im Takt der Musik. Vereinzelt fingen Frauen an zu weinen, Männer riefen jubelnd durch den Saal. Für mich, der den ruhigeren Gottesdienst aus Deutschland gewöhnt ist, war es nach 2 Stunden dann doch genug und wir machten uns auf den Nachhauseweg.

Heiligabend begann ruhig, wahrscheinlich auch aus dem Grund, dass es erst gegen 22:00 Uhr so richtig dunkel wurde. Die Familie - Juan, meine Gasteltern und Ich - eröffneten gegen 23:00 Uhr das Banquet und erfreuten uns an lecker gebratenem Fleisch und Kartoffelsalat. Die chilenische Tradition erlaubt es erst um Mitternacht die Geschenke zu öffnen, womit wir noch ein bisschen Zeit hatten die sich nun langsam, im Licht der Tannenbaumbeleuchtung, endlich aufbauende Weihnachtsstimmung zu genießen.





Nach der Bescherung - ich sahnte ein Badehandtuch der chilenischen Nationalmannschaft ab - machten wir uns auf den Weg zum Haus des Opas, wo sich die ganze Familie einfand um zusammen zu feiern. Dort wichtelten wir bei ein paar Gläsern Wein noch die mitgebrachten Geschenke aus und genossen schließlich das friedliche Zusammensein bis in die Morgenstunden.






Ich habe etwas wichtiges gelernt von meiner chilenischen Weihnachtserfahrung: Es müssen nicht unbedingt die äußerlichen Umstände geschaffen sein um die so einzigartige Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Es ist das Teilen, Zusammensein, Erfreuen, Genießen und Schätzen der menschlichen Gesellschaft, die man um sich hat. Nichts ist erfüllender aks Nächstenliebe - egal in welcher Zeitzone, egal in welchem noch so kleinen, versteckten Fleckchen der Erde.

Frohe Weihnachten,

Un abrazo, Niclas

Mittwoch, 13. März 2013

Ein Wiedersehen...


Alle schönen Dinge enden mal, und so mussten wir Samstag mittag auch schweren Herzens das Inselparadies hinter uns lassen und wieder zurück in die Realität fliegen. Der Flug zwischen diesen beiden Welten wurde von LAN wieder äußerst bequem gestaltet und wir konnten gemütlich auf dem riesigen Bildschirm vor uns die viereinhalb Stunden in der Luft mit Filme schauen vertrödeln.



Gegen 22:00 kamen wir am Hostel unseres Vertrauens an und trafen uns mit Freundin Nina, mit der wir unter Anderem zusammen schon in Valparaíso unterwegs waren. Nach ein paar Drinks in einer netten Bar ging Jakob zurück ins Hostel und Nina und Ich zogen zusammen mit zwei weiteren Freunden in meinen santiaginischen Stammclub "Galpon 9" weiter. 

Bei der Rückkehr ins Hostel stieß ich zufällig noch auf zwei Freundinnen aus Talca, die schon früh um 4 Uhr ihr Taxi zum Flughafen nehmen mussten. Nach einer langen Verabschiedung ging es für sie weiter nach Peru und für mich ins wohlverdiente Reich der Träume. 

Am nächsten Tag sollten wir uns schon gegen 12 Uhr im altbekannten Kloster, dasselbe das wir auch am Anfang unserer Reise besucht hatten, mit den anderen Freiwilligen von AFS einfinden. Die deutschen Gene noch nicht zu 100% verloren waren Jakob und Ich natürlich überpünktlich und so kurz danach zusammen mit Ronja, Luka und Nina die Ersten im Nonnenhaus.

Unsere Chefin verspätete sich bis spät in den Nachmittag und so nutzten wir die Zeit um ausgiebig Erfahrungen, Bilder und Geschichten zu teilen. Es war schön mal wieder mit Gleichgesinnten über Gefühle und verschiedene Sachen zu reden, die uns in diesen ereignisreichen 4 Monaten schon begegnet waren. 

Die nächsten zwei Tage waren dafür reserviert, neben den kleinen selbstreflektierenden Aufgaben, die wir zu tun hatten, die Hauptstadt des wunderschönen Landes, über welches wir Freiwilligen verstreut waren, kennenzulernen.

Da sich nicht alle der Freiwilligen so glücklich schätzen können wie ich und in unmittelbarer Nähe von Santiago wohnen (die am weitesten Entfernte Freiwillige braucht 32 Stunden mit dem Bus), bat sich damit für uns eine schöne gemeinsame Entdeckungsreise.

Zuerst ging es mit der Metro Richtung Zentrum um einen der berühmtesten Hügel Santiagos zu besteigen: Der Santa Lucía liegt in unmittelbarer Nähe des Plaza de Armas und der beiden größten Universitäten Chiles. Auf ihm erbauten die spanischen Eroberer eine prächtige Festung und gründeten nebenbei die Stadt, die heutzutage Dreh- und Angelpunkt alles chilenischen Lebens ist.

Ein paar Stufen später bietet sich dem tapferen Bergsteiger eine wunderschöne Aussicht über die Dächer der Hauptstadt.



Fotos geschossen und ein kleines Eis verschlungen ging es nach dem Abstieg weiter entlang der Alameda hinein in's Barrio Bellas Artes - das meiner Meinung nach zweitschönste Viertel Santiagos. Hier finden sich neben diversen artistischen Subkulturen auch nette Cafés und etwas teuere Restaurants.



Nachdem wir den Abend nett mit ein paar Bierchen hatten ausklingen lassen, ging es am nächsten Morgen ausgeschlafen Richtung Barrio Bellavista - diesmal der schönste Teil Santiagos. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund erbaute der weltberühmte chilenische Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda seine santiaginische Residenz in diesem Stadtteil.

Ein wenig den Hügel hoch gegangen findet man bereits das in der Form eines Schiffes erbauten Haus, welches über das Barrio thront. Neruda nannte sich selbst "Marinero en tierra" - einen Seefahrer des Festlandes: Seine Gedichte sind alle vom Meer inspiriert, jedoch traute er sich selbst nur ungern auf ein Schiff.



Unsere Tour wurde von einem offensichtlich sehr begeisterten Neruda-Fanatiker übernommen, was das Erlebnis definitiv noch einmal lebendiger, lustiger und interessanter machte. Leider darf man innerhalb des Hauses keine Bilder schießen, da man Objekte aus der ganzen Welt bewundern kann, die Neruda von seinen Reisen um und durch die Welt mitbrachte. 

Nachdem wir durch alle Räumlichkeiten geführt worden waren und unter anderem auch einen Blick auf Nerudas Nobelpreis erhaschen konnten, war die Tour auch wieder genauso schnell vorbei, wie sie begonnen hatte. 


Einem Mittagessen bei Subway in einer der riesigen Malls folgend, ging es zurück ins Kloster um sich noch einmal wirklich der selbstreflektierenden Arbeit der letzten 4 Monate zu widmen. Glücklicherweise kamen alle zu einem durchaus positiven Abschluss, was die generell gute Atmosphäre und den Optimismus auf die uns noch bevorstehenden 7 Monate natürlich nur steigern ließ.


Der folgende Filmabend war ein schöner Abschluss zu drei aufschlussreichen Tagen mit unseren Freiwilligen-Kollegen und ein gebürtiger Anfang in die zweite Hälfte unseres chilenischem Abenteuers.

Un abrazo,

Niclas