Freitag, 29. März 2013

Feliz Navidad, prospero año y felicidad...

Die Nächte werden länger, die Temperaturen purzeln in Tiefen, die so manchem von uns die Motivation raubt, sich überhaupt morgens aus dem Bett zu hieven und generell flucht jeder über das typische Heielberger "Schmuddel-Winter-Wetter".

Trotzalledem kommt er so langsam: Der Duft von saftigem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, frischgebackene Plätzchen zuhause und die zwar minimale, aber zweckerfüllende Weihnachtsdeko der traditionsfaulen deutschen Bevölkerung lässt den Geist der Weihnacht Stück für Stück zum Leben erwecken.

Um ehrlich zu sein, hatte Ich so ein bisschen Probleme bei 35°C und langen 16-Studen-Tagen in Weihnachtsstimmung zu kommen. Nichtsdestotrotz beginnt in Chile in der Zeit nach dem dritten Advent ebenfalls der ganz normale Weihnachtswahnsinn: Von den Dächern hängen bärtige, dicke Männer mit rot-weißen Roben, das Wohnzimmer wird mit dem aus dem Keller geholten Plastik-Tannenbaum ausgestattet, und es dudeln die wohlbekannten Weihnachtslieder aus allen Ecken. Zur Abwechslung wurden jedoch meine Ohren nicht mit Mariah Carey's "All I want for Christmas" oder Wham!'s "Last Christmas" gefoltert, sondern haben die Südamerikaner neben "Feliz Navidad" ihre eigenen 5-6 Gehörgang-Vergewaltiger, die in Dauerschleife durch Radios und Einkaufshallen zum Besten gegeben werden. Dies alles jedoch bei stechendem Sonnenschein, Flip-Flops und kurzer Hose zu erleben fühlte sich so ziemlich seltsam an.

Auch auf unserer Arbeit hielt die Weihnacht so langsam ihren Einzug. Maike und Ich bastelten für die süßigkeitssüchtigen älteren Herrschaften einen Adventskalender mit kleinen Schoko-Bonbons. Jeden Tag durfte so ein glücklicher Teilnehmer ein Türchen samt Bibelspruch in Empfang nehmen. Neben dem geschmücktem Tannenbaum klebten wir einen riesigen Weihnachtsstern, auf den Alle ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft schrieben, an die Wand.

Schon am 19. Dezember mussten wir jedoch Weihnachten in der Tagesstätte feiern, da Weihnachten schließlich dieses Mal auf einen Dienstag fiel und wir ein langes Wochenende zugesprochen bekamen!
Mit Brille, Kissen unter'm T-Shirt und rot-weißem Bommelhut auf dem Kopf hatte ich sogar die Ehre den "Viejo Pascuero", den Weihnachtsmann, für die "Abuelitos" zu mimen.

In der Vorwoche hatten wir bei verschiedenen Unternehmen, unter anderem der Polizei, nach Geschenk-Spenden für die Teilnehmer unseres Programmes gefragt, und ich durfte jene nun überreichen. Wie brave Kinder bedankte sich jeder "Opi" und jede "Omi" mit einem Lächeln bei mir mit "Muchas Gracias, Viejito Pascuero" und riss in der gleichen Manier sofort neugierig sein Geschenkchen auf. Der leckere Weihnachtsbraten für alle rundete den schönen Nachmittag erflogreich ab.

Das größte Geschenk machte mir jedoch José Bello, ein Teilnehmer, der die Woche zuvor von seiner Familie aus seinem Haus geschmissen wurde und seitdem auf der Straße leben musste. Ich hatte in dieser schweren Zeit immer ein offenes Ohr für ihn und tröstete ihn wenn er mal wieder total von der Situation überfordert in Tränen ausbrach. Er schenkte mir nach dem Mahl eine selbstgemachte Karte mit den Worten: "Die Familie ist das wichtigste Gut, pass immer auf sie auf und bete täglich dafür, dass sie intakt und erhalten bleibt. Danke für Alles." Zusammen mit den Worten, die er mir in der Karte gewidmet hatte überkam mich ein starkes Wechselbad der Gefühle. Zum einen hatte ich gerade das wahrscheinlich wunderbarste Weihnachtsgeschenk meines Lebens erhalten, jedoch wusste ich auch um die traurige Tatsache, dass José Bello diese Weihnachten alleine feiern musste.




Natürlich ist Weihnachten nichts ohne den dazugehörigen Kirchengang vor der Bescherung inklusive Krippenspiel. Am Tag vor Weihnachten lud mich Juan ein, mit in die Kirche unserer Cousine zu kommen und das Weihnachtsfest auf religiöser Ebene zu beginnen. Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Glauben ausdrücken sollte, wie er es als richtig empfindet. Deswegen werde ich nun auch ganz nüchtern von diesem Kirchengang berichten - ohne Witz, ohne Sarkasmus!

Die heilige Stätte der Gemeinde, in der wir also den weihnachtlichen Grundstein legen wollten, war nicht etwa eine klassische Kirche, sondern ein kleines Event-Center, das mit Plastikstühlen für das Publikum zugestellt war. Nach einem kurzen Einleitungsfilm über Jesu' Opfer, begann ein Theaterstück, dass sich mit Gott im Alltag beschäftigte. Gefolgt wurde dies von zwei Künstlern, die singend und rappend Lieder der Weihnacht sangen. Eine unterhaltsame Stunde war bereits vergangen als die Pfarrerin, eine normal gekleidete, kurzhaarige kleine Frau, die Bühne betrat. Die folgende Stunde referierte sie teils flüsternd, teils hysterisch kreischend über Gott und alltägliche Mandate. Überall im Raum hörte man immer wieder Zurufe der Teilnehmer, bis sich die komplette Gemeinde - außer Ich - bei rich repetierender, psychodelischer Musik und dem lauten Schreien der Pfarrerin folgend vorne am Altar einfand. Wie in Trance rissen sie die Hände hoch und schwangen im Takt der Musik. Vereinzelt fingen Frauen an zu weinen, Männer riefen jubelnd durch den Saal. Für mich, der den ruhigeren Gottesdienst aus Deutschland gewöhnt ist, war es nach 2 Stunden dann doch genug und wir machten uns auf den Nachhauseweg.

Heiligabend begann ruhig, wahrscheinlich auch aus dem Grund, dass es erst gegen 22:00 Uhr so richtig dunkel wurde. Die Familie - Juan, meine Gasteltern und Ich - eröffneten gegen 23:00 Uhr das Banquet und erfreuten uns an lecker gebratenem Fleisch und Kartoffelsalat. Die chilenische Tradition erlaubt es erst um Mitternacht die Geschenke zu öffnen, womit wir noch ein bisschen Zeit hatten die sich nun langsam, im Licht der Tannenbaumbeleuchtung, endlich aufbauende Weihnachtsstimmung zu genießen.





Nach der Bescherung - ich sahnte ein Badehandtuch der chilenischen Nationalmannschaft ab - machten wir uns auf den Weg zum Haus des Opas, wo sich die ganze Familie einfand um zusammen zu feiern. Dort wichtelten wir bei ein paar Gläsern Wein noch die mitgebrachten Geschenke aus und genossen schließlich das friedliche Zusammensein bis in die Morgenstunden.






Ich habe etwas wichtiges gelernt von meiner chilenischen Weihnachtserfahrung: Es müssen nicht unbedingt die äußerlichen Umstände geschaffen sein um die so einzigartige Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Es ist das Teilen, Zusammensein, Erfreuen, Genießen und Schätzen der menschlichen Gesellschaft, die man um sich hat. Nichts ist erfüllender aks Nächstenliebe - egal in welcher Zeitzone, egal in welchem noch so kleinen, versteckten Fleckchen der Erde.

Frohe Weihnachten,

Un abrazo, Niclas

Mittwoch, 13. März 2013

Ein Wiedersehen...


Alle schönen Dinge enden mal, und so mussten wir Samstag mittag auch schweren Herzens das Inselparadies hinter uns lassen und wieder zurück in die Realität fliegen. Der Flug zwischen diesen beiden Welten wurde von LAN wieder äußerst bequem gestaltet und wir konnten gemütlich auf dem riesigen Bildschirm vor uns die viereinhalb Stunden in der Luft mit Filme schauen vertrödeln.



Gegen 22:00 kamen wir am Hostel unseres Vertrauens an und trafen uns mit Freundin Nina, mit der wir unter Anderem zusammen schon in Valparaíso unterwegs waren. Nach ein paar Drinks in einer netten Bar ging Jakob zurück ins Hostel und Nina und Ich zogen zusammen mit zwei weiteren Freunden in meinen santiaginischen Stammclub "Galpon 9" weiter. 

Bei der Rückkehr ins Hostel stieß ich zufällig noch auf zwei Freundinnen aus Talca, die schon früh um 4 Uhr ihr Taxi zum Flughafen nehmen mussten. Nach einer langen Verabschiedung ging es für sie weiter nach Peru und für mich ins wohlverdiente Reich der Träume. 

Am nächsten Tag sollten wir uns schon gegen 12 Uhr im altbekannten Kloster, dasselbe das wir auch am Anfang unserer Reise besucht hatten, mit den anderen Freiwilligen von AFS einfinden. Die deutschen Gene noch nicht zu 100% verloren waren Jakob und Ich natürlich überpünktlich und so kurz danach zusammen mit Ronja, Luka und Nina die Ersten im Nonnenhaus.

Unsere Chefin verspätete sich bis spät in den Nachmittag und so nutzten wir die Zeit um ausgiebig Erfahrungen, Bilder und Geschichten zu teilen. Es war schön mal wieder mit Gleichgesinnten über Gefühle und verschiedene Sachen zu reden, die uns in diesen ereignisreichen 4 Monaten schon begegnet waren. 

Die nächsten zwei Tage waren dafür reserviert, neben den kleinen selbstreflektierenden Aufgaben, die wir zu tun hatten, die Hauptstadt des wunderschönen Landes, über welches wir Freiwilligen verstreut waren, kennenzulernen.

Da sich nicht alle der Freiwilligen so glücklich schätzen können wie ich und in unmittelbarer Nähe von Santiago wohnen (die am weitesten Entfernte Freiwillige braucht 32 Stunden mit dem Bus), bat sich damit für uns eine schöne gemeinsame Entdeckungsreise.

Zuerst ging es mit der Metro Richtung Zentrum um einen der berühmtesten Hügel Santiagos zu besteigen: Der Santa Lucía liegt in unmittelbarer Nähe des Plaza de Armas und der beiden größten Universitäten Chiles. Auf ihm erbauten die spanischen Eroberer eine prächtige Festung und gründeten nebenbei die Stadt, die heutzutage Dreh- und Angelpunkt alles chilenischen Lebens ist.

Ein paar Stufen später bietet sich dem tapferen Bergsteiger eine wunderschöne Aussicht über die Dächer der Hauptstadt.



Fotos geschossen und ein kleines Eis verschlungen ging es nach dem Abstieg weiter entlang der Alameda hinein in's Barrio Bellas Artes - das meiner Meinung nach zweitschönste Viertel Santiagos. Hier finden sich neben diversen artistischen Subkulturen auch nette Cafés und etwas teuere Restaurants.



Nachdem wir den Abend nett mit ein paar Bierchen hatten ausklingen lassen, ging es am nächsten Morgen ausgeschlafen Richtung Barrio Bellavista - diesmal der schönste Teil Santiagos. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund erbaute der weltberühmte chilenische Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda seine santiaginische Residenz in diesem Stadtteil.

Ein wenig den Hügel hoch gegangen findet man bereits das in der Form eines Schiffes erbauten Haus, welches über das Barrio thront. Neruda nannte sich selbst "Marinero en tierra" - einen Seefahrer des Festlandes: Seine Gedichte sind alle vom Meer inspiriert, jedoch traute er sich selbst nur ungern auf ein Schiff.



Unsere Tour wurde von einem offensichtlich sehr begeisterten Neruda-Fanatiker übernommen, was das Erlebnis definitiv noch einmal lebendiger, lustiger und interessanter machte. Leider darf man innerhalb des Hauses keine Bilder schießen, da man Objekte aus der ganzen Welt bewundern kann, die Neruda von seinen Reisen um und durch die Welt mitbrachte. 

Nachdem wir durch alle Räumlichkeiten geführt worden waren und unter anderem auch einen Blick auf Nerudas Nobelpreis erhaschen konnten, war die Tour auch wieder genauso schnell vorbei, wie sie begonnen hatte. 


Einem Mittagessen bei Subway in einer der riesigen Malls folgend, ging es zurück ins Kloster um sich noch einmal wirklich der selbstreflektierenden Arbeit der letzten 4 Monate zu widmen. Glücklicherweise kamen alle zu einem durchaus positiven Abschluss, was die generell gute Atmosphäre und den Optimismus auf die uns noch bevorstehenden 7 Monate natürlich nur steigern ließ.


Der folgende Filmabend war ein schöner Abschluss zu drei aufschlussreichen Tagen mit unseren Freiwilligen-Kollegen und ein gebürtiger Anfang in die zweite Hälfte unseres chilenischem Abenteuers.

Un abrazo,

Niclas

Mittwoch, 30. Januar 2013

Last day in paradise..


Haie, große Schlangen, Algen, hässliche große Fische, Piranhas, Nessi - Jeder kennt es: Sobald man sich ins Meer oder den nächstgelegenen Baggersee schmeißt und eine Wassertiefe erreicht, die die eigene Körpergröße überschreitet, fängt man plötzlich an Dinge zu sehen und zu spüren. Jede Sekunde im tiefen Wasser wird zur Zerreißprobe - schließlich könnte ja im nächsten Moment einen irgendetwas packen und mit sich in die Tiefe ziehen.

Ungefähr das gleiche Problem habe ich wenn es um das offene Meer geht. Entsprechend mulmig war mir also vor unserem Abschlusshighlight nach sechs unglaublich spannenden Tagen auf Rapa Nui - einem Tauchgang in den Riffs von Hanga Roa!

Früh morgens um 10 ging es somit an die Tauchschule, um uns mit dem Equipment, unseren Tauchbegleitern und den Einweisungen bekannt zu machen. Auf letzteres, das wahrscheinlich Wichtigste, konnte ich mich jedoch leider aufgrund der heißen Tauchlehrerin recht wenig konzentrieren - so wurde ich also im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geschmissen.

Von einem Doppelgänger von Iz Kamakawiwo'ole, der das Schiff auf seiner Seite durch seine immense Körpermasse fast zum Kentern brachte, wurden wir vor die Küste chauffiert. Sauerstoffflasche um den Rücken geschnallt, Brille auf und Flossen an ging es mit dem Rücken zuerst ins Wasser. Mein Puls ging sofort von 0 auf 100 und ich konnte spüren, dass ich viel schneller und panischer atmete. Aber was sagt man nicht immer: Schocktherapie ist die beste Therapie!

So war es auch; nachdem ich nämlich zuerst wie ein hilfloses Nilpferd auf dem Rücken im Wasser paddelte konnte ich mich, nachdem ich mich umdrehte, das Atmen durch den Schlauch übte und endlich den Boden sehen konnte, langsam beruhigen. 

Da ich bei der Einweisung ja nicht zugehört hatte, war meine Brille auf 10m Tiefe auch sofort erstmal beschlagen. In der anfänglichen Panik hatte ich natürlich wie wild durch die Nase und somit in die Brille geatmet. Nach kurzer Säuberungsaktion (ein bisschen Wasser einlassen, Kopf schütteln und Wasser wieder rauspressen) konnte ich dann jedoch endlich die unglaubliche Umgebung, die sich mir auftat, in bester Qualität betrachten. Das war ein Moment sage ich euch! Wann habt ihr das Letzte mal etwas zum ersten Mal gemacht? Unglaubliches Gefühl!

Die nächsten 45 Minuten waren so spannend und voller neuer Entdeckungen, dass ich natürlich ganz vergaß, dass ich mich gedanklich eigentlich im Territorium von ungeheuerlichen Seemonstern befand. Mit Jakob und unserem Tauchguide ließen wir uns im Sand von dem Schwung der Wellen treiben, erkundeten die Riffs und schwammen mit einigen wunderbar farbenfrohen Fischen. Alles wurde glücklicherweise auf Kamera festgehalten und so kann ich euch hier einen kleinen Einblick in dieses wunderbare Erlebnis geben:








Das Kompliment des Tauchguides, wir hätten uns gemacht wie als hätten wir bereits einen Tauchschein, klebten wir uns natürlich direkt auf die Brust. Nach einer warmen Dusche und Wechsel der Klamotten von Neopren auf Baumwolle, machten wir uns auf Souvenir-Jagd in Hanga Roa. Schließlich sollten sowohl Arbeitskollegen als auch Freunde nicht ohne Andenken aus diesem speziellen Fleck der Erde bleiben. 


"Briefe an die Heimat!"

Auf dem Handwerks-Markt ließ ich natürlich auch noch einen in Holz geschnitzten Moai mitgehen, der zurück in Deutschland ganz sicher einen besonderen Platz in meiner neuen Wohnung bekommt!

Dem Tipp des Japaners Kenji, der uns am ersten Abend bekocht hatte folgend, gönnten wir uns in einem am Hafen an der Westseite liegendes Restaurant ein letztes Mahl im Paradies. Entsprechend paradiesisch waren meine Spaghetti-Meeresfrüchte inklusive Mahina vor dem Hintergrund eines letzten Sonnenuntergangs auf der offenen Terrasse des Restaurants - Prost!





Natürlich kann ein Urlaub nicht ohne mindestens einen feuchtfröhlichen Abend enden und so ging es danach auf dem Camping-Platz mit Marcel und einer Flasche Pisco in die nächste Runde. Die Osterinsel besitzt zwei Diskotheken (bei 4000 Einwohnern!) und wir wollten uns das Feiern inmitten des Nirgendwo's somit auch nicht entgehen lassen.

Nach einer gesprächigen Runde mit einem anderen Amerikaner, der gerade bei Hurricane Sandy sein Haus verlor und nun auf der Osterinsel einen Neustart machen will, gingen wir gegen 2 Uhr morgens Richtung Zentrum Hanga Roa. Auf dem Weg dorthin hörten wir auf einmal einen einladenden Ruf von der Seite und sahen eine andere Runde von 5 Leuten, die offenbar ebenfalls am Vorglühen waren. So saßen wir eine Minute später auf der Terrasse des einzigen Restaurants der Insel, das das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrauten Bier "Kunstmann" vertreibt. 

Gegen 3 Uhr entschieden wir uns jedoch nun endlich Richtung Disco zu laufen, da verlangt der Besitzer doch tatsächlich noch ungefähr 20 Euro von uns - Kostenbeteiligung! Wer sowas in Deutschland macht wird normalerweise geköpft! Naja, wäre er auch fast…leider ist er erst nachdem er das Geld angenommen hatte wie ein Baum im brasilianischen Regenwald umgefallen und auf das Kopfsteinpflaster geknallt - Seine Freunde brachten ihn nach Hause und wir machten uns weiter.

Angekommen am "Club" der im besten Fall eher einer Scheune glich, begrüßte uns David Hasselhoff im Hawaiihemd als Türsteher - so sah er zumindest aus. Das Innendesign brachte nicht viel mehr Überraschungen als das Äußere schon preisgab und generell war das Ambiente bei 70% Isleños und einem "Bob Marley"-Hit nach dem Anderen eher unangenehm für den standesgemäßen Europäer. 

Wir wurden außerdem gewarnt lieber keine Einheimische anzusprechen, da ansonsten eine große Möglichkeit bestünde die Nacht im Reich der Sterne im Krankenhaus zu verbringen. So schlürften wir nur halbherzig an unseren Getränken und tanzten schließlich mit ein paar Chilenen vom Kontinent, die Gott sei Dank auch anwesend waren. 

Der absolute Höhepunkt des Abend war jedoch als ich beim Klogang auf einmal 6 wie ums Lagerfeuer sitzende Isleños um die Schüssel versammelt sah die sich lachend den Nasengang mit Pablo Escobar's Erbe spülten.

Zusammen mit meinem Alkoholspiegel und den ohnehin immer wieder durchdringenden Blicken der Isleños (waren mal wieder die einzigen Blonden) entschied ich mich lieber die Mannschaft zusammenzutrommeln und das Weite zu suchen. Mit dem Taxi ging's zurück zum Campingplatz und ab ins Rechteck - Trotzalledem ein durchaus ereignisreicher und gelungener letzter Abend auf der Osterinsel!

Un abrazo,

Niclas

Mittwoch, 23. Januar 2013

Playa Ovahe & Playa Anakena

Ausschlafen - ein wertvolles Gute, das uns bisher auf unserer Reise auf und durch die Osterinsel sehr gefehlt hatte. Auch hier im entlegenen Inselparadies sind die Menschen erstaunlicherweise früh auf den Beinen. Vielleicht trügt aber auch nur der Schein und es sind eher die Touristen als die knapp 3000 Einwohner die schon morgens um 7 die Straßen Hanga Roa's durchstreifen.

Auf jeden Fall war es mal wieder ganz nett sich ohne jeden Zeitdruck aus den Federn zu erheben. Gegen 10 Uhr und nach einem herzhaften Frühstück entschieden wir uns unseren hart verdienten Wellness-Tag an den zwei einzigen Sandstränden der Inseln zu beginnen. 

Rund 20 Kilometer nördlich von Hanga Roa liegen beide Seite an Seite, getrennt von einem Hügel, an der Nordküste inklusive Blick auf das knapp 6000 km entfernte Kalifornien.

Unser erster Anlaufpunkt war, wie an den beiden vergangenen Tagen, der Playa Ovahe. Auch heute hatten wir das Glück, das sich außer uns nur eine andere Person an diesem kleinen Inseljuwel befand. Sichtlich genervt von unserer Präsenz entschwand sie aber wenige Minuten später und wir waren endlich komplett allein - genial!





Nach einem kleinem Mittagsschläfchen unter der heißen Pazifiksonne und einem kurzen Bad in dem angenehm 25° warmen Wasser, entschieden wir uns um den Hügel zum Playa Anakena zu wandern und dort unseren Strandtag fortzusetzen.

Unter einer der vielen Palmen fanden wir ein schattiges Plätzchen, unter dem ich mich - unter Aufsicht der Moai, die jeden Tag und jede Nacht über den Strand wachen -  gemütlich einem guten Buch widmete.



Der Tag sollte jedoch abermals nicht ohne zumindest ein spannendes Erlebnis enden...Wer kennt die Legende nicht: "Die Angst vor Haien ist unbegründet, jährlich sterben mehr Menschen von fallenden Kokosnüssen als von Hai-Attacken".

Gesagt, getan - aus dem nichts höre ich plötzlich ein Rascheln über mir und nur eine Sekunde später begrüßt mich eine knapp 30cm große Kokosnuss mit einem dumpfen Aufschlag im Sand direkt vor meinem Gesicht. Es folgten 5 Sekunden Stille und ungläubige Blicke zwischen mir und Jakob ehe wir uns lachend daran erfreuten, gerade noch so einer der größten Bedrohungen für die heutige Menschheit entkommen zu sein. 


"Der Übeltäter"

Mit dem Selbstvertrauen, es bei meinem Glück nun auch mit Haien im 1 gegen 1 aufnehmen zu können, stürzte ich mich zur Schockbewältigung noch einmal in den wunderbar milden Pazifik. Seele baumeln lassen - deluxe!

Nach kurzem Posen mit den Strand Moai - die wahrscheinlich am besten erhaltenen der ganzen Insel (man beachte den Feinschliff der Gesichter), ging es für uns weiter auf der Suche nach dem "sagenumwobenen" Nabel der Erde.


Was uns schließlich erwartete war nichts anderes als 4 Steine, die im rechten Winkel um einen etwas größeren runden Stein gelegt waren. Ich denke mal dieser "besondere Ort" wurde aufgrund der Situation, das die Osterinsel der entlegenste Ort der Welt ist, von den zeitgenössischen Insulanern selbst installiert um die Insel für die Touristen noch interessanter zu machen - Wir waren wenig impressed!



Weiter ging es entlang der Ostküste, vorbei an vielen weiteren Ahu's. Anders jedoch als bei den Möchtegern-Altären die uns am Vortag noch sehr enttäuscht hatten, konnte man hier die Ausmaße des Ärgers der  präkolumbianischen Ureinwohner bewundern. Umgestoßen und mit dem Gesicht im Gras vergraben findet man hier die nicht-restaurierten Moai und Ahu's der Insel. Als Kontrast zu den sonst immer majestätisch die Insel überblickenden Steinköpfen der Nordküste waren diese hier auch noch einmal sehr interessant anzusehen.


"Bleib ganz ruhig und tu einfach so als wären wir einer von Ihnen!"

Unsere sehr entspannte Abschluss-Tournee über die Insel endete schließlich wieder am Kliff vor unserem Camping-Platz, wo wir - endlich mal ohne Wolken, die die Sicht verhinderten - nun schon zum 5. Mal das wunderbar schöne Spektakel des rapanuischen Sonnenuntergangs bewundern konnten.



Un abrazo,

Niclas

Dienstag, 8. Januar 2013

Umrundung des Maunga Terevaka

Halbzeit im Paradies! - bereits seit knapp 4 Tagen befinden wir uns, wie bereits erzählt, inmitten des absolutem Nichts der endlosen Weiten und Tiefen des Pazifik. Wir haben schon viel erlebt und gesehen, was unter Anderem dazu führt, das heute wahrscheinlich der letzte expeditive Ausflug des einwöchentlichen Abenteuer-Urlaubs ansteht. Die restlichen zwei Tage sind dann aller Voraussicht nach für's reine "Seelen-Baumeln" reserviert.

Das letzte große Abenteuer wartete somit im Norden der Insel auf uns. Der so genannte "Ahu-Trail" führt um die Nord-West-Spitze herum, entlang zerklüfteten Hängen und imposanten Altären. Zumindest würde man beim Namen doch glatt davon ausgehen - später jedoch mehr.

Wir begannen unsere Wanderung, die laut Einheimischen knapp 6 Stunden dauern würde, etwas nördlich von Hanga Roa, an einem mysteriös zur Unkenntlichkeit geschundenen Schild. Erst bei näherem Hinsehen konnte der neugierige Wanderer erkennen, was am Ende des seitlich abgehenden Pfades zu finden war:


"Cuevas" - Deutsch für "Höhlen"

Ein Leckerbissen, der den meisten Touristen entgeht, wenn sie sich nicht ausgiebig über die Osterinsel informieren - oder das Schild einfach übersehen! Am Einstieg angekommen wusste jedoch noch keiner von uns, was hinter dem knapp 1 Meter breiten Einstiegs-Schacht auf uns warten würde. 

Ausgestattet mit Handy-Licht quälten wir uns mit dem Rücken zuerst in das absolut dunkle Ungewisse. Kein Tageslicht, keine Nachtsicht-Kamera, und ich als letzter in der Schlange - Wer (wie Ich) zu viele Horrorfilme geguckt hat, für den ist die Paranoia bereits vorprogrammiert. 

Hektisch versuchte ich also, so schnell wie möglich zu den "Dos Ventanas", zwei Löcher im Höhlensystem, die einen wunderbaren Blick auf's offene Meer erlauben, zu gelangen. Bezahlen musste ich meine Hektik mit einer Beule am Kopf und einem triefend nassem Schuh - Dank gebührt hierbei einem meterlangen Stalaktiten und der Pfütze, die durch seine Tropfen entstanden ist (und natürlich meinem angeborenen Tollpatsch-Syndrom).


"Fast geschafft..."

Reichlich entschädigt wurde ich nach 5-minütiger psychischer Tortur jedoch mit diesem wunderbaren Panorama:


"Ventana 1"


"Ventana 2"

Dem Loch entflohen machten wir (Jakob, Ich, Marcel der Schweizer und Lukas der Pole) uns auf entlang der Küste in Richtung Norden. Das Wetter spielte heute auch definitiv wieder auf unserer Seite und so kamen auch die ersten guten Bilder der wunderschönen Klüften-Straße zustande.


Doch wo waren die "Ahu's"? Vergeblich suchten wir die erste Stunde nach den Steinerhebungen, auf denen einst die Moai thronten. Enttäuscht viel uns auf, dass wir schon mehrere passiert hatten - es war leider nicht viel mehr übrig als ein kleiner Steinhaufen.


Auch sonst, war die Landschaft am Fuße der größten Erhebung der Insel "Maunga Terevaka" mit 512m recht eintönig. Wir durchquerten die knapp 4 Stunden Wanderung nur grüne Wiesen mit etlichen Vulkanstein-Brocken die uns die Wanderung das ein oder andere Mal erschwerten.


"Der Hang des Maunga Terevaka"

Die aufregenderen Teile der Wanderung waren dann eher die tote Stute die wir fanden, die wohl bei ihrer Geburt mitsamt des Fohlens starb...


...das unfassbar glasklare Wasser im Zusammenspiel mit den wunderschönen Kliffs...


...oder die Bauern-Oase im Schatten des imposanten Steilhangs des Maunga Terevaka.



Nach einer kurzen Snack-Pause und einem kleinen Aufstieg nach Erreichen der Spitze, verflachte sich der Wanderweg und ging in eine angenehm zu begehende Sand-Piste über. Schon von Weitem konnten wir nun einen Blick auf den paradiesischen "Anakena-Strand" werfen, der nur noch eine halbe Wanderstunde von uns entfernt lag.


Nach 4 entspannten Stunden kamen wir somit endlich an unserem Wanderziel an. Gemütlich setzten wir uns im Schatten des Palmen-Waldes zu einem Einheimischen in seinen Strand-Imbiss. Bei einer leckeren "Meeresfrüchte-Empanada" und einer kalten 2 Liter Flasche Wasser (die mich unverschämte 5!!! Euro kostete) lauschten wir seinen Insellegenden - Viel entspannter kann man sich nicht von einer Wanderung erholen! 

Sonnen wollten wir uns jedoch nicht am bereits etwas stärker besuchten Anakena, sondern wanderten noch ein Stück weiter um den nahe gelegenen Hügel zum "Ovahe-Strand". 


"Tapfere Wanderer Jakob und Marcel"

Dieser Strand hatte es uns nämlich absolut angetan: Da sie keinen direkten Zugang hat, ist diese Bucht sehr selten von Menschen besucht und man hat den Sandkasten fast immer für sich alleine!


Nach 3 Stunden Tiefenentspannung sollte uns ein Taxi in der Nähe des Strandes abholen. Typisch chilenisch hatte der werte Herr Fahrer natürlich seine Frau samt Kind dabei, die er aus Jux und Tollerei den ganzen Tag durch die Gegend fuhr. Problem: Wir waren 5 Leute und nur die Hinterbank war frei.
Einfache chilenische Lösung: "Zwei von euch setzen sich in den Kofferraum und ich fahre "langsam"".

Marcel und Jakob opferten sich tapfer für diese zwei Posten.


Da der Begriff "langsam" in chilenischen Gefilden nicht weniger als 50 km/h ist, mussten die Beiden bei der Anzahl von Schlaglöchern auf der Insel - die wohl bis ins Unendliche steigt - auch nicht nur einmal um ihr Leben fürchten. Als wir an der örtlichen Polizei-Kontrolle in Hanga Roa vorbei rasten, krümmten jene ebenfalls keinen Finger - hang loose eben!

Nach der Verabschiedung von Rose und Lukas, die am selben Tag noch die Weiterreise ans Festland antreten mussten, machten sich Jakob und Ich auf den Weg um in Hanga Roa etwas kochbares zu finden. Aufgrund der "anstrengenden" und "höchstanspruchsvollen" Wanderung die hinter uns lag, entschieden wir uns Burger zu machen - mit dem entsprechenden lebenswichtig isotonischen Getränk...wenn ihr versteht ;-)

Morgen also der erste Tag ohne frühes Aufstehen und körperliche Anstrengung - doch ich bin mir sicher auch da wird der Unterhaltungswert nicht zu kurz kommen!

Un abrazo,

Niclas