Dienstag, 8. Januar 2013

Umrundung des Maunga Terevaka

Halbzeit im Paradies! - bereits seit knapp 4 Tagen befinden wir uns, wie bereits erzählt, inmitten des absolutem Nichts der endlosen Weiten und Tiefen des Pazifik. Wir haben schon viel erlebt und gesehen, was unter Anderem dazu führt, das heute wahrscheinlich der letzte expeditive Ausflug des einwöchentlichen Abenteuer-Urlaubs ansteht. Die restlichen zwei Tage sind dann aller Voraussicht nach für's reine "Seelen-Baumeln" reserviert.

Das letzte große Abenteuer wartete somit im Norden der Insel auf uns. Der so genannte "Ahu-Trail" führt um die Nord-West-Spitze herum, entlang zerklüfteten Hängen und imposanten Altären. Zumindest würde man beim Namen doch glatt davon ausgehen - später jedoch mehr.

Wir begannen unsere Wanderung, die laut Einheimischen knapp 6 Stunden dauern würde, etwas nördlich von Hanga Roa, an einem mysteriös zur Unkenntlichkeit geschundenen Schild. Erst bei näherem Hinsehen konnte der neugierige Wanderer erkennen, was am Ende des seitlich abgehenden Pfades zu finden war:


"Cuevas" - Deutsch für "Höhlen"

Ein Leckerbissen, der den meisten Touristen entgeht, wenn sie sich nicht ausgiebig über die Osterinsel informieren - oder das Schild einfach übersehen! Am Einstieg angekommen wusste jedoch noch keiner von uns, was hinter dem knapp 1 Meter breiten Einstiegs-Schacht auf uns warten würde. 

Ausgestattet mit Handy-Licht quälten wir uns mit dem Rücken zuerst in das absolut dunkle Ungewisse. Kein Tageslicht, keine Nachtsicht-Kamera, und ich als letzter in der Schlange - Wer (wie Ich) zu viele Horrorfilme geguckt hat, für den ist die Paranoia bereits vorprogrammiert. 

Hektisch versuchte ich also, so schnell wie möglich zu den "Dos Ventanas", zwei Löcher im Höhlensystem, die einen wunderbaren Blick auf's offene Meer erlauben, zu gelangen. Bezahlen musste ich meine Hektik mit einer Beule am Kopf und einem triefend nassem Schuh - Dank gebührt hierbei einem meterlangen Stalaktiten und der Pfütze, die durch seine Tropfen entstanden ist (und natürlich meinem angeborenen Tollpatsch-Syndrom).


"Fast geschafft..."

Reichlich entschädigt wurde ich nach 5-minütiger psychischer Tortur jedoch mit diesem wunderbaren Panorama:


"Ventana 1"


"Ventana 2"

Dem Loch entflohen machten wir (Jakob, Ich, Marcel der Schweizer und Lukas der Pole) uns auf entlang der Küste in Richtung Norden. Das Wetter spielte heute auch definitiv wieder auf unserer Seite und so kamen auch die ersten guten Bilder der wunderschönen Klüften-Straße zustande.


Doch wo waren die "Ahu's"? Vergeblich suchten wir die erste Stunde nach den Steinerhebungen, auf denen einst die Moai thronten. Enttäuscht viel uns auf, dass wir schon mehrere passiert hatten - es war leider nicht viel mehr übrig als ein kleiner Steinhaufen.


Auch sonst, war die Landschaft am Fuße der größten Erhebung der Insel "Maunga Terevaka" mit 512m recht eintönig. Wir durchquerten die knapp 4 Stunden Wanderung nur grüne Wiesen mit etlichen Vulkanstein-Brocken die uns die Wanderung das ein oder andere Mal erschwerten.


"Der Hang des Maunga Terevaka"

Die aufregenderen Teile der Wanderung waren dann eher die tote Stute die wir fanden, die wohl bei ihrer Geburt mitsamt des Fohlens starb...


...das unfassbar glasklare Wasser im Zusammenspiel mit den wunderschönen Kliffs...


...oder die Bauern-Oase im Schatten des imposanten Steilhangs des Maunga Terevaka.



Nach einer kurzen Snack-Pause und einem kleinen Aufstieg nach Erreichen der Spitze, verflachte sich der Wanderweg und ging in eine angenehm zu begehende Sand-Piste über. Schon von Weitem konnten wir nun einen Blick auf den paradiesischen "Anakena-Strand" werfen, der nur noch eine halbe Wanderstunde von uns entfernt lag.


Nach 4 entspannten Stunden kamen wir somit endlich an unserem Wanderziel an. Gemütlich setzten wir uns im Schatten des Palmen-Waldes zu einem Einheimischen in seinen Strand-Imbiss. Bei einer leckeren "Meeresfrüchte-Empanada" und einer kalten 2 Liter Flasche Wasser (die mich unverschämte 5!!! Euro kostete) lauschten wir seinen Insellegenden - Viel entspannter kann man sich nicht von einer Wanderung erholen! 

Sonnen wollten wir uns jedoch nicht am bereits etwas stärker besuchten Anakena, sondern wanderten noch ein Stück weiter um den nahe gelegenen Hügel zum "Ovahe-Strand". 


"Tapfere Wanderer Jakob und Marcel"

Dieser Strand hatte es uns nämlich absolut angetan: Da sie keinen direkten Zugang hat, ist diese Bucht sehr selten von Menschen besucht und man hat den Sandkasten fast immer für sich alleine!


Nach 3 Stunden Tiefenentspannung sollte uns ein Taxi in der Nähe des Strandes abholen. Typisch chilenisch hatte der werte Herr Fahrer natürlich seine Frau samt Kind dabei, die er aus Jux und Tollerei den ganzen Tag durch die Gegend fuhr. Problem: Wir waren 5 Leute und nur die Hinterbank war frei.
Einfache chilenische Lösung: "Zwei von euch setzen sich in den Kofferraum und ich fahre "langsam"".

Marcel und Jakob opferten sich tapfer für diese zwei Posten.


Da der Begriff "langsam" in chilenischen Gefilden nicht weniger als 50 km/h ist, mussten die Beiden bei der Anzahl von Schlaglöchern auf der Insel - die wohl bis ins Unendliche steigt - auch nicht nur einmal um ihr Leben fürchten. Als wir an der örtlichen Polizei-Kontrolle in Hanga Roa vorbei rasten, krümmten jene ebenfalls keinen Finger - hang loose eben!

Nach der Verabschiedung von Rose und Lukas, die am selben Tag noch die Weiterreise ans Festland antreten mussten, machten sich Jakob und Ich auf den Weg um in Hanga Roa etwas kochbares zu finden. Aufgrund der "anstrengenden" und "höchstanspruchsvollen" Wanderung die hinter uns lag, entschieden wir uns Burger zu machen - mit dem entsprechenden lebenswichtig isotonischen Getränk...wenn ihr versteht ;-)

Morgen also der erste Tag ohne frühes Aufstehen und körperliche Anstrengung - doch ich bin mir sicher auch da wird der Unterhaltungswert nicht zu kurz kommen!

Un abrazo,

Niclas

Mittwoch, 2. Januar 2013

Ahu Tongariki, Poike & Rano Raraku

Was wäre wohl die erste Sache, an die man denkt, wenn man das Stichwort Osterinsel hört? Genau, die Moai. Riesige Steinköpfe, die über die ganze Insel verteilt an der Küste aufgestellt und das Landesinnere überwachten. Präteritum deshalb, da sich die Ureinwohner irgendwann im 18. Jhdt. dazu entschieden ihr komplettes(!!!) Lebenswerk einfach so wieder umzustoßen.

Auf der Suche nach Antworten für diese plötzliche Gedanken-Wandlung der Rapa Nui machten wir uns am zweiten vollen Tag schon früh um 5:30 in absoluter Dunkelheit auf in den Norden der Insel zum "Ahu Tongariki". "Ahu", das ist nicht etwa ein Kriegsschrei aus Zack Snyder's "300", sondern der Name für die Altäre, auf denen die Statuen platziert wurden. 

Um das geschichtliche Erbe zumindest ein bisschen wiederherzustellen, und um natürlich uns dumme, sensationsgeile Touristen aus aller Welt zu locken, entschied man sich, zumindest eine kleine Prozentzahl der "Ahus" und "Moai" zu restaurieren. 

So können wir heute "Ahu Tongariki" bewundern. Mit 15 Moai ist er der längste und größte der Insel. Seine perfekte Lage in einer Bucht an der Ostseite der Insel erlaubt deshalb auch das unglaubliche Spektakel eines Sonnenaufgangs vor diesem imposanten Monument zu bestaunen. Wortlos, so wie ich diese 1 1/2 Stunden erlebt habe, will ich euch nun auch die gemachten Bilder präsentieren:




Was waren die Moai? Als Abbilder ihrer toten Stammes-Häuptlinge, sollten die Statuen vom Meer aus, mit Blick auf das Inselinnere, über jenes mit ihren nie sich schließenden Augen aus dem Jenseits wachen. Sie haben langgezogene Ohrläppchen (sieht fast so aus wie die Radkappen, die sich heutzutage manche Jugendliche in die Ohren klemmen) und extrem lange Fingernägel. Damit wurde nicht etwa versucht den antiken Guinness World Record im Nagelwuchs zu gewinnen, sondern sollte symbolisieren, dass die Oberhäupter niemals arbeiteten. Man vermutet, dass entweder aus Enttäuschung über sich nicht erfüllende Anforderungen an die Toten Häuptlinge oder Bürgerkrieg der Grund für die Zerstörung der Altäre und den Sturz der Statuen war - später dazu jedoch mehr.

Zurück am Auto mit Fahrer Lukas, John aus den USA und Rose aus England, fuhren wir ein Stück weiter der einzigen geteerten Straße der Insel bis zur nördlichen Westküste, wo wir das Auto direkt am Kliff vor einem Kuhzaun abstellten.


Zaun deswegen, da überraschenderweise fast die ganze Insel, ausgenommen des Dörfchens Orongo und des Vulkans Rano Raraku, Privatgelände sind! Anders als jedoch in den USA, wo man zu diesem Zeitpunkt meist schon das Ende des Laufes einer Schrotflinte auf der Nase hätte, kann man hier gemütlich den Stacheldrahtzaun bis zum Boden druch drücken und die Hürde springend überwinden.

Ziel: Der Vulkan Poike. Zwar nicht die größte Erhebung auf Insel, hat er den besten und weitreichendsten Ausblick über das Eiland. Das Problem: Wir waren auf Seelevel und hatten nun natürlich erstmal 400 Höhenmeter Aufstieg vor uns (welch Glück, ich hatte wieder Flip Flops an!).

Das Erste, was beim Aufstieg auffällt, sind die wie zwei aus einem Kamel ragenden Höcker geformten Nebenkrater des Poike, die wir schon von Weitem bewundern konnten. Zusammen mit der Tatsache, das der Vulkan so gut wie kahlrasiert ist, erschafft dies die Einbildung, wahrhaftig auf einem anderen Planeten zu wandern.


Rund 20 Minuten später und zwei fast durchgebrochenen Fußgelenken vom letzten, extrem steinigen Aufstieg, bot sich uns endlich der entlohnende Blick vom Nordost-Zipfel der Insel aus. Im Krater hat sich über die Jahrtausende ein kleiner, unberührter Wald gebildet, der nun offenbar Heimat für eine kleine Habicht-Art ist.




"Auf den "Höckern" mit Blick auf's endlose Meer"

Auf dem Weg zum Strand, wo wir Rose abholen sollten, die nicht mit uns auf den Vulkan gestiegen war, machten wir noch Stopp beim größten Petroglyphen-Stein der Insel. Ganze 12 Meter misst er und enthält (so wie das beschrieben war, ich hab rein gar NICHTS erkannt) Fische, ein Schiff, Angeln und, und, und.


Alles über die Strände erzähle ich euch am vierten Tag, da ich die Spannung noch ein bisschen halten will. Zumindest ging es, nachdem wir also kurz die beiden einzigen Sandstrände der Insel bewundert hatten, weiter zum Rano Raraku - auch die "Moai-Fabrik" genannt.

Ein Bild habe ich von diesem ebenfalls majestätischem Vulkan vorhin schon in der Dunkelheit preisgegeben. Bei Tageslicht erschien er neben dem "Ahu Tongariki" in noch schönerem Glanz. Anders als die anderen Vulkane der Insel, fehlt nämlich ein ganzes Stück seiner kegelförmigen Form. Genau da war der antike Steinschlag der Ureinwohner. Um die zahlreichen Moai der Insel nämlich herzustellen (bis heute wurden ganze 397 gefunden), brauchte man verständlicherweise auch viele, viele Steine. Direkt aus dem Felsen, wie ich euch später zeigen werde, wurden sie hier von Meister-Architekten der Ureinwohner aus dem Massiv gemeißelt.

Da, wie bereits erwähnt, die Ureinwohner eines Tages ihrer Moai aus irgendeinem Grund nichtmehr huldigten und sie umstießen, stoppten am gleichen Tag plötzlich die Arbeiten. Man fand später Werkzeuge rund um den Vulkan und vor allem eines: unfertige Moai, die es nie auf einen "Ahu" schafften. Der Grund für einen wahrscheinlichen Bürgerkrieg war die enorme Abholzung für den Transport der Steinköpfe in alle Winkel der Insel. So konnten nicht einmal mehr lebenswichtige Schiffe zum Fischen gebaut werden und die Lebensmittel wurden knapp.

Glücklicherweise ließen sie die Fabrik bzw. den Vulkan unberührt und wir konnten bei unserem Rundweg einige Leckerbissen erblicken wie z.B.:



"Den einzigen Moai mit Beinen!!"


"Einen Moai in Arbeit und..."


"...den größten Moai der Insel der 23m misst"

Nach dem Rundlauf durch den "Moai-Garten" stiegen wir noch auf in den Krater. Der zweite Vulkan an einem Tag - ich sollte Geologe werden. Viel hatte ich nicht erwartet, aber uns offenbarte sich abermals eine wunderbare Lagune inklusive Wildpferden, roter Erde und! - einigen Moai auf der Sonnenseite des Hangs, die dem ganzen noch ein mystisches, unwirkliches Ambiente gaben.



Rose, die sich die ganze Zeit um ein anscheinend todkrankes Wildpferd kümmerte, war ganz erschüttert über die Antwort der Rangers auf ihre Frage, ob man das arme Ding nicht einfach erschießen könne. "Der, auf dessen Grundstück ein Wildpferd läuft, ist de facto Besitzer des Pferdes und darf es als einziger erschießen. Wer es anstatt seiner macht muss zahlen". Paradoxer geht es kaum, oder habt ihr schonmal die Müllabfuhr verklagt, weil sie euren Müll entsorgt hat. Naja, so läuft das wohl auf der Osterinsel.

Am Nachmittag stiegen Jakob und Ich nochmals teilweise auf Rano Kau um uns das Spektakel eines Flugzeuges, das von der Osterinsel wegfliegt zu bewundern.


Einem wunderschönen Sonnenuntergang folgte eine neue Version "Spaghetti mit was immer wir im Supermarkt finden" des 3-Sterne Spitzenkoch-Duos "Meer & Gottmann". Den Gasherd hatten wir dieses Mal sogar schon innerhalb von einer Minute an und das mit der Salzdosierung im Nudelwasser klappte auch immer besser - hmm!

Morgen geht's ebenfalls früh raus, die Nord-West-Spitze wird zu Fuß umkurvt - diesmal auch mit festen Schuhen - ich verspreche es!

Abrazos,

Niclas

Samstag, 29. Dezember 2012

Rano Kau & Orongo

Der Vogelmannkult - was klingt wie eine Gruppe Ornithologen die mit halluzinogenen Drogen spielen war bis vor knapp 150 Jahren noch die alltags-bestimmende Religion der am nördlichsten gelegenen Ureinwohner-Siedlung "Orongo".

Auf den Spuren jener mysteriösen, alten Kultur machten wir uns an unserem ersten vollen Tag auf Rapa Nui auf zum gerade um die Ecke gelegenen Vulkan "Rano Kau". Zusammen mit Marcel, einem Schweizer, den wir am Vorabend bei der überraschenden japanischen Fisch-Verköstigung kennengelernt hatten, ging es vom Hostel aus entlang des "Sendero Orongo", der uns 300 Höhenmeter später am Krater des "Rano Kau" entlang in besagtes Dörfchen leiten sollte.


"OFFIZIELL am anderen Ende der Welt! 14570km nach Berlin"


"Den Weg nochmal überprüfen"

Eine Spezialität der Chilenen ist es aus Mücken Elefanten zu machen. So hat man z.B. eine Überlebenschance von 0,01 % wenn man mit dem Unternehmen "Tur Bus" fährt oder lebt extrem gefährlich wenn man sich am Strand sonnt, da ja spontan ein Tsunami kommen und dich nass machen könne. 

Eine Warnung hätte ich jedoch ernster nehmen sollen, was ich sofort nach 30 Minuten Wanderung am eigenen Leib erfahren würde: das Wetter ist hier so unberechenbar wie der Versuch durch 0 zu dividieren. Somit kann man hier das Phänomen eines lokal begrenzten Regens bewundern. Dieser wird aus ungefähr 1km langen dunklen Wolken in regelmäßigen Abständen über der Insel verteilt. Der Dank gilt an dieser Stelle an die Ureinwohner, die in ihrer Blütezeit gut alle indigenen Wälder gerodet haben -unterstellen: Fehlanzeige.

Die unfreiwillige zweite Dusche an jenem Tag war glücklicherweise nach 5 Minuten bereits an uns vorbeigezogen - wir konnten sie regelrecht wandern sehen! Wie eine Wand aus Regentropfen, die sich langsam von dir entfernt: WOW!


"links bestes Inselwetter - rechts die Wand"

Zu allem eleganten Überfluss hatte ich natürlich auch artgerecht meine Flip-Flops an! Dem Watsch-Spaß durch den nun aufgeweichten Schlammweg stand nichts im Wege. Der schöne Ausblick über Hanga Roa entschädigte jedoch jegliche Strapazen.


Ein paar Ausrutscher später kamen wir endlich am Krater des gigantischen Rano Kau an. Kurz mussten wir innehalten um die Magie dieses Ortes einzusaugen, den wir zu allem glücklichen Überfluss auch noch für uns alleine hatten! Uns offenbarte sich ein riesiger Süßwasser-Sumpf inmitten des Kraters, der hin und wieder von Seevögeln mit kurzen, schrillen Schreien belebt wurde. Ein Loch auf der Nordseite des Kraters erlaubte ebenfalls einen Blick auf das weite blaue Meer, das jedoch ganz an Bedeutung neben diesem vulkanischen Riesen verlor.



Und weil's so schön war, noch der Panorama-Shot!


Inzwischen klatschnass erreichten wir nach der halben Umrundung des Kraters die kleine Zentrale des Nationalparks "Orongo" am nördlichen Ende des Vulkans. Das immer noch nicht besser werdende Wetter gab uns die perfekte Chance um A: die Blasen zu leeren und B: alle Informationen der kleinen Ausstellung über Orongo und den Vogelmann-Kult durchzulesen, die sehr ansehnlich und kompakt an die Wände gehängt waren.

Als der gelbe Freund sich endlich wieder hinter den Wolken sehen ließ, beschlossen wir die ebenfalls komplett leeren Ruinen endlich zu besichtigen. "Orongo" erhält definitiv das Ruinen-Prädikat "Steine über Steinen vor Steinen unter mehr Steinen die neben Steinen liegen". Nicht jedoch, weil durch Verwitterung und menschliche Dummheit die Gebäude bis zur Unkenntlichkeit geschunden wurden, sondern weil die Behausungen der damaligen polynesischen Ureinwohner genau das waren.


Die Eingänge versprechen alles andere als Komfort, jedoch konnte man sich so ideal gegen die unberechenbaren und kalten Passatwinde schützen, die die Insel immer wieder heimsuchen. Auf dem Vorplatz spielten sich, wie man vermutet, die Zeremonien rund um den Vogelmann-Kult ab.

So fand nämlich jährlich ein Wettbewerb zur Ernennung des einjährigen Postens des Vogelmannes, dem höchsten Rang im Volke statt. Die tapfersten Männer schwammen von der Küste aus zur nahe liegenden Insel "Motu Nui" wo eine gewisse Zeit im Jahr eine Schwalbenart zuhause ist, die von den Inselbewohnern als Gottheit verehrt wurde. Die Männer verharrten solange auf der Insel bis einer das erste Vogelei des neuen Jahres fand - er war nun offiziell Vogelmann für die nächsten 365 Tage.




Irgendwie beneide ich das Orongo-Völkchen ja doch; Ich glaube niemand sonst konnte im Vorgarten ein kleines Inselchen mit Vögeln und im Hinterhof einen riesigen Vulkankrater sein eigen nennen. 

Auf dem Rückweg warfen wir noch einen Blick auf die in Stein gemeißelten "Petroglyphen", die Bildschrift der Ureinwohner. Hier wurden sowohl Fische, Vögel als auch Hybride aus Vogel und Mensch abgebildet - Vogelmann eben!


Am Nachmittag konnte ich es mir nicht nehmen lassen noch eine Runde in diesem einzigartigen Ambiente laufen zu gehen. Es ist ja nicht alle Tage, dass man beim joggen waschechte Moai zu sehen bekommt oder?


Beim Sonnenuntergang und dem verdienten Feierabend-Bier verabredeten wir uns mit zwei anderen Hostel-Gästen morgen in aller früh zum berühmtesten Moai-Altar dem "Ahu Tongariki" zu fahren um den wahrscheinlich imposantesten Sonnenaufgang auf diesem Planeten zu besichtigen. Freut euch schonmal!

Un abrazo,

Niclas

Montag, 24. Dezember 2012

Iorana, Rapa Nui!

Irgendwo inmitten des Pazifik liegt ein gerade mal 160 Quadrat-Kilometer großes Eiland. Im Umkreis von knapp 4000 Kilometern gibt es kein Anzeichen von weder Land noch Zivilisation - der offiziell entlegenste Ort der Welt.

Was treibt jemanden dann überhaupt auf jene Insel, die ihren Namen vom holländischen Entdecker Jakob Roggeveen am Ostersonntag 1722 bekam, dem Tag an dem erstmals die westliche Zivilisation Fuß auf diese von 3 großen Vulkanen erschaffene Insel setzte?

Für mich war es die Mystik, die dieser sagenumwobene Ort aufgrund seiner Geschichte, Lage und Monumente ausstrahlt - und um sagen zu können, dass man mal auf der Osterinsel war ;-).

Flüge werden nur von einer Airline - LAN (der chilenischen National-Airline) - und 3 Flughäfen (Santiago, Lima und Papeete auf Tahiti) aus angeboten. Inzwischen fliegen sie auch schon täglich und so konnten wir uns den Flug gemütlich aufs Wochenende buchen, um nicht zu viele Tage freinehmen zu müssen.


"In-Flight Entertainment!"

Nach dem sehr gemütlichen 5-stündigen Flug begrüßte uns ein feuchtes, aber sehr angenehmes 25° Klima am klitzekleinen "Mataveri Aeropuerto" in der 4000 Einwohner Osterinsel-Metropole "Hanga Roa".


Direkt am Flughafen kauft man auch seine Eintrittskarten für die zwei Nationalparks "Orongo" und "Rano Raraku". Wir, ausgestattet mit einer einjährigen chilenischen Staatsbürgerschaft, bekamen die Eintrittskarte anstatt für 60 für läppische 10 Euro!

Abgeholt wurden wir vom Besitzer des Hostels in dem wir die nächsten 6 Nächte verbringen würden. Natürlich durfte, so wie das auf allen polynesischen Inseln bekanntlich Brauch ist, der Blumenkranz als Willkommens-Geschenk nicht fehlen - IORANA!


"Wer sich immer noch fragt: "Iorana" = rapanui für "Hallo/Willkommen""

Wohnen sollten wir auf einem Campingplatz, jedoch in einem Doppelzimmer mit Privatbad. Für den unfassbaren Preis von 15€ p.P. die Nacht nisteten wir uns sehr gerne dort ein! Man überlege sich mal, wie hoch die Hotelpreise wären, wenn diese Insel Deutschland gehören würde - Que viva Chile!

Es war zwar schon etwas später am Nachmittag, aber eine kleine Erkundungstour durch Hanga Roa war auf jeden Fall noch drin! Alle Sachen abgelegt ging es also entlang der "Hauptstraße" ein paar Minimärkte abklappern um Essen zu kaufen - der einzige Nachteil am Hostelpreis, wir mussten uns komplett selber ernähren!


"Atamu Tekena - die belebte Hauptstraße Hanga Roas"

Leider ist nicht ALLES rosig, wenn man auf dieser paradiesischen Insel lebt. Die Preise sind, wie man sich vorstellen kann, aufgrund des langen Transportweges unverschämt teuer. Zähneknirschend musten wir somit für das 6-Pack Dosenbier für 10, die Packung 400g Spaghetti für knapp 3 und die dazugehörige Soße 250ml für 2 Euro tief in die Tasche greifen.

Wir schlenderten ein bisschen weiter und kamen am Fußballplatz vorbei, wo zufällig gerade die zwei örtlichen Clubs ihr wöchentliches Aufeinandertreffen austrugen. Mit deutschem Fußballblut in den Venen und zufällig 6 Bier in der Einkaufstüte, gab es natürlich keine andere Option als sich gemütlich den ersten Schluck Gerstensaft nach einem langen Tag bei "Stadionatmosphäre" zu gönnen.



"Live dabei in der hitzigen Halbzeit-Ansprache"

Zurück im Hostel gönnten wir uns jeder ein Fläschchen des lokal!!! gebrauten Porters "Mahina". Dafür, dass es das entlegenste Starkbier der Welt ist, ist es verdammt noch mal lecker!


Erwähnte ich schon, dass unser Campingplatz perfekte Lage mit direktem Blick auf Steilküste und Meer hatte? Zusammen mit der Tatsache, dass sich Hanga Roa auf der Westseite, und somit Sonnenuntergangs-Seite befand ein wahrer Glücksgriff!

Bevor wir uns jedoch vor der Haustür dieses Spektakel zum Tagesabschluss angucken wollten, beschlossen wir noch einen kurzen Trip herunter zum Hafen zu machen um unseren ersten, waschechten Moai zu betrachten!


"Hafen Hanga Roa"


"Der erste von vielen Steinköpfen"

Auf dem Weg zurück erlebten wir dann unseren ersten Sonnenuntergang im Paradies. Dem Rauschen der sich am Kliff berstenden Wellen lauschend beobachteten wir, wie die Sonne langsam in den Weiten des Pazifiks versank. Ein paar gute Aufnahmen sind uns auch gelungen:




Später wurden wir noch von Kenji, einem Japaner der ebenfalls auf dem Camping Platz wohnte, dazu eingeladen für 5 Euro ein waschechtes japanisches Fisch-BBQ zu bekommen. Wer hätte gedacht, dass wir am ersten Abend schon kulinarisch mit gegrilltem Fisch und Sashimi inklusive original japanischer Soya-Sauce verwöhnt werden sollten. 

Ein durchaus gelungener Abschluss eines sehr aufregenden ersten Abends! Mal sehen, welche Abenteuer morgen so auf uns warten....

Un abrazo,

Niclas