Sonntag, 21. Oktober 2012

Valparaìso, que disparate eres...


Mit jenem ersten Vers eines berühmten Gedichtes des chilenischen Poeten Pablo Neruda möchte ich diesmal meine Erzählungen beginnen: Ja, welch Ungereimtheit (chil. "disparate") diese wunderschöne Stadt nicht nur in sich, sondern auch im Kontrast zu den restlichen Städten Chiles darstellt, sollte ich am vergangenen Wochenende dann auch endlich kennenlernen!

Hier schonmal die Vorwarnung: es wird lang! Also schnappt euch einen Tee, Kaffee, Bier..was auch immer und macht es euch gemütlich bevor ihr weiterlest!

Los geht's: Da wir aufgrund eines freien Montags ganze 3 Tage am Stück frei hatten, entschieden Maike und Ich uns zusammen mit Jakob in besagter Stadt zu treffen und sie zusammen zu erkunden.
Da für uns die Reise etwas kürzer ist als den Herren aus Concepción nutzen Maike und Ich noch den Freitagabend um in Santiago wegzugehen und uns mit Freunden zu treffen.

Das gebuchte Hostel befand sich genau an einer Seite des "Plaza de Armas" also des sogenannten "Nullpunktes Santiagos". Da es sich im 7. Stock des Gebäudes befand war auch noch ein atemberaubender Ausblick auf das Treiben auf dem Plaza mit im Paket:


Bevor wir uns ins Nachtleben stürzten gönnten wir uns noch den ein oder anderen Pisco auf der Terrasse inklusive Besitzer und ein paar Gästen - generell muss ich sagen: Das Hostel-Leben hier in Südamerika scheint sehr belebt und lustig zu sein!


Nach einer langen Nacht und wenig Schlaf machten wir uns am nächsten Morgen noch auf in Richtung Mall um zu frühstücken und ein bisschen zu bummeln. Dabei durften wir auch den erbärmlichen Versuch eines US-Amerikaners beobachten sich etwas zu Essen zu bestellen - nach einminütigem hin und her bin ich eingesprungen und er hat mir im Nachhinein mein Essen bezahlt. Kann man nichts sagen haha!

Die sehr illustre Fahrt von Santiago nach Valparaíso habe ich dann aufgrund meines enormen Schlafdefizits leider komplett verschlafen. Angekommen an besagtem Ort trafen wir auch Jakob und nahmen uns das nächstbeste Taxi zu unserem Hostel mit dem Namen "Casa Aventura". Es wird von einem Deutschen betrieben und war deswegen gleich mal die erstbeste und sicherste Wahl! 

Unser Dreierzimmer war zwar spartanisch ausgestattet aber schließlich waren wir ja auch nur zum Schlafen da - Betten gab es! ;-) 

Sachen abgelegt, Badehose und Schwesterlein eingepackt ging's nichts wie ab an den Hafen. Valparaíso ist wie Rom auf Hügeln gebaut, was einem zwar Richtung Küste einen angenehmen Abstieg ermöglicht, jedoch einen nervigen Aufstieg beim Rückweg beschert. 


Auf dem Weg zum Hafen erblickte man auch schon einige der für Valparaíso so charakteristischen bunt angemalten Häuser und Graffiti. Unsere erste Station war dann nach einem kleinen Spaziergang am malerischen Fischerhafen jedoch erstmal einer der berühmten Aufzüge, die damals die reichen Leute für den Bau ihrer Häuser auf den Hügeln bauen ließen. Ganz wohl ist einem bei der Fahrt in den fast 120 Jahre alten nicht restaurierten Gefährten nicht, aber einen ersten schönen Ausblick auf die Stadt gewährt es allemal:


Nach ein paar Panoramabildern und einem kurzen Rundgang auf dem Hügel machten wir beim Abstieg noch einen kurzen Stopp in einem Restaurant, das in perfekter Lage lag um die Sonne im Meer versinken zu sehen.


Zurück im Hostel holten wir uns die letzten Empfehlungen für die besten Bars in Valparaíso und machten uns auf den Weg. Was sofort auffällt ist das Valparaíso ein ganz anderes Ambiente hat als zum Beispiel das im Vergleich sehr ruhige Städtchen Talca: Es wirkt gefährlicher, zwielichter und bedrohlicher. Trotzdem fanden wir ein Plätzchen in dem wir uns (wer hätte es anders gedacht) noch 1-2 Pisco zu Gute kommen ließen.

Auf dem Nachhauseweg wurde es dann doch immer komischer - Überall fuhren gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer herum, bis auf die Zähne bewaffnete Polizisten standen an jeder Ecke. Und dann fing es an: erst in meiner Nase und dann in meinen Augen fühlte ich einen immer stärker werdenden Reiz - Tränengas! Was uns entgangen war ist, dass es am Vortag gewalttätige Aufstände gab und sich die Massen wohl noch immer nicht ganz beruhigt hatten. 

Allweit bekannt ist aber natürlich mit welchem Scharfsinn man unter Alkoholeinfluss Situationen einschätzen kann - nämlich mit gar keinem. So bin ich natürlich auch direkt zum nächstbesten Polizist gerannt und hab ihn nach einem Foto gefragt. Dem "Du-dummer-Tourist-Gesicht" folgte die Anweisung uns doch bitte ein Taxi zu nehmen und endlich abzuhauen - wir taten es.

Nichtsdestotrotz widersteht kein lateinamerikanischer Mann der Magie einer blonden Frau und so kam zumindest Maike schließlich noch zu ihrem Bild:


Am nächsten Morgen durften wir uns eines sehr leckeren Frühstücks erfreuen und kamen ins Gespräch mit den verschiedensten Leuten, die fast alle auf Weltreise sind! Sehr interessante Lebensgeschichten kommen da zusammen. Der größte Zufall war aber, dass eine der am Tisch sitzenden Mädchen tatsächlich aus Dielheim kam und wir sogar gemeinsame Freunde haben - wie klein die Welt doch ist! 

Gegen Mittag bekamen wir Zuwachs von Freunden aus Santiago, die unserem Ruf gefolgt sind und sich mit uns den Karnevals-Umzug angucken wollten - An diesem Wochenende fand nämlich das Fest der 1000 Trommeln statt ("Fiesta de Mil Tambores"). Wie in Rio kämpfen hier nicht die Sambaschulen sondern die Trommelschulen gegeneinander! 

Das ist jedoch nicht das einzige Highlight dieser Fiesta: Was vor allem der männlichen Bevölkerung gefallen sollte ist der Brauch, dass sich die Frauen - wenn sie wollen (und scheinbar wollen viele haha) - nackt bemalen lassen und in der Parade mitlaufen. Alle unter 18 mal kurz die Augen zu ;-)


Alles in allem war es ein sehr schöner und entspannter Umzug in dem auch die Zuschauer aktiv teilnehmen konnten - ließen wir uns natürlich nicht entgehen und tanzten auch ein bisschen mit!


Den Rest des Tages verbrachten wir zu 7 noch damit über die Hügel zu schlendern und die Aussicht auf diese einzigartige Stadt zu genießen. Am Abend kehrten wir um die Ecke in einer Tapas-Bar ein und genossen einen internationalen Abend mit viel leckerem Essen und später wieder mal ein paar Piscos! 


Spät in der Nacht, gegen 3 oder 4 lief uns schon die mindestens vierte Gruppen an Deutschen über den Weg! Es ist unglaublich wie viele es von uns dort gibt. Code-Wort ist übrigens: "Man sieht's euch an" - tut man wirklich, denn sonst ist hier niemand blond oder käseweiß wie z.B. meine Wenigkeit.

Montag Vormittag verbrachten wir dann noch alle zusammen am Hafen bevor sich Maike und Ich wieder auf nach Santiago machten und die anderen weiter nach Viña del Mar zogen, da sie einen späteren Bus hatten. Die 4 Stunden Lay-Over in Santiago nutzen wir beide dann noch um das Reichstags-Equivalent Chiles zu besichtigen: La Moneda!

Das Gebäude das während dem Staatsstreich komplett zerbombt wurde erstrahlt heute wieder in neuem Glanz mit einer riesengroßen Fahne auf seinem Vorplatz.


Unter dem Vorplatz gibt es noch ein Museum, dass sich mit der Vorkolombianischen Zeit Chiles beschäftigt (also bevor Cristobal Colon Amerika entdeckte). Was mich dann doch sehr perplex machte, ist, dass als wir eintraten auf einer für ein Museum absolut undienlichen Lautstärke Chartmukke aus den Lautsprechern blies - unpassender geht's kaum, aber sie haben ja schon Humor die Chilenen.

Die Woche lief ansonsten wie immer, zu erzählen gibt es nicht viel, außer dass meine Mannschaft und Ich gerade dabei sind uns für den chilenischen Pokal anzumelden, an welchem wir hoffentlich Ende November teilnehmen! Im Kino waren wir gestern auch das erste Mal: Englisch mit spanischen Untertiteln - GEIL!

So, aber jetzt ist erstmal genug an Info, eure Augen sind bestimmt schon müde vom Lesen ;-) Ich weiß dieser Beitrag war mehr Theorie als Praxis, aber ich verspreche beim nächsten Mal wieder mehr Berichterstattung von lustigen Begegnungen mit den Gewohnheiten der chilenischen Bevölkerung!

Un abrazo, Niclas

Donnerstag, 11. Oktober 2012

"Streichholzschächtelchen"..

Deutsche Sprache - schwere Sprache! Zumindest für diejenigen, die es nicht wie wir seit kleinauf gelernt haben. Es ist ein Riesen-Spaß die Ausländer mit den etwas ausgefalleneren Wörtern aus dem Duden zu ärgern und sie der Annahme zu überlassen, wir würden eine außerirdische Sprache sprechen, die man ja niemals beherrschen könnte!

Doch die Titelwahl für diesen Blog-Eintrag soll ein anderes Motto vermitteln...Meine letzte Woche war nämlich sehr deutsch. Ja, mitten in der chilenischen Provinz war es mir möglich mich dann doch irgendwie wie zuhause zu fühlen. 

Doch wie immer mal ganz von Anfang: Es ist der 3. Oktober. Der normale Deutsche erfreut sich eines freien Tages, wahrscheinlich sogar unwissend darüber, welcher Anlass ihm dazu verhilft den ganzen Tag im Sessel zu sitzen, Fußball zu gucken und das ein oder andere Bierchen zu verköstigen. Vielleicht ist es auch das, womit sich der heutige typische Deutsche an seinem Nationalfeiertag feiern sollte!  Die Magie dieses historischen Datums ist aber leider schon seit vielen Jahren futsch. Vergessen die Freude über die Wiedervereinigung und nur noch die allgemeine Furcht davor, zu viel Nationalstolz zu zeigen, übrig. 

Doch hier, ausgerechnet in Chile am anderen Ende der Welt, versucht man an diesem Datum nichts anderes als diese Magie wieder aufzuwecken - zumindest an der Uni. 

Drei Mal dürft ihr raten wer der Magier war? - Ich. 

Seit ein paar Wochen hatten wir (2 Chilenen, 3 Deutsche) eine Präsentation vorbereitet in der wir uns mit dem Thema befassten: "Nationalfeiertag in Chile und Deutschland - Unterschiede und Gemeinsamkeiten". Das Problem ist, der Chilene erwartet natürlich zumindest ETWAS von der deutschen Seite, damit sein Weltbild nicht zerstört wird. 

Nun ja, am Abend des besagten Tages trafen wir uns also im Theater der Uni und wollten auch pünktlich nach deutscher Manier um 19:00 mit dem Program anfangen. Man konnte schon die leichte Unruhe und Unsicherheit der anwesenden deutschen Akteure, die den Abend mitgestalteten, spüren, was mich innerlich zum schmunzeln brachte. Bis halb 8 trödelte nämlich ein völlig entspannter Chilene nach dem Anderen ein, sodass wir erst gegen kurz vor 8 begannen. 

Los gings, Niclas auf die Bühne: erzähl doch mal auf Spanisch was über den 3. Oktober! Ich muss dazu sagen, ich hatte mich im Stile eines Vor-Abiturienten in der Nacht vorher auf die Rede vorbereitet. 


Der eine oder Andere Lacher den ich in meine Rede eingebaut habe, lenkte dann auch von meinen mehr oder weniger guten Spanischkünsten gekonnt ab.

Danach trat noch ein Quartett auf, die Songs von Bach und Schubert zum Besten gaben, sowie zwei deutsche Kurzfilme die mit spanischen Untertiteln gezeigt wurden.

Der spannende Teil des Abends kam jedoch erst nach der Präsentation: Freibier und Bockworscht! Wenn ihr euch jetzt fragt: Woher hat der Kerl Original deutsche Bockworscht? 

Nun ja, es gibt da diesen riesen Supermarkt "Jumbo" der seine kleine Deutsche Ecke hat. Hier findet man, wie im vorigen Eintrag schon erwähnt, nicht nur deutsches Bier von A-Z sondern auch Haribo, Kühne und eben deutsche Bockworscht - Lecker! Maike und Ich hatten uns übrigens auch mittags auf Deutschland ein deutsches Tröpfchen gegönnt:



Der Abend endete ebenfalls feucht fröhlich in einer Bar mit ein paar Deutschen, und Chilenen, die mal in Deutschland waren unsere Sprache nach langem Aufwand ebenfalls beherrschen ;-)



Was ist sonst so deutsch an Chile? Nun, wie bereits erwähnt, man sagt hier "Tschau" und sehr, sehr, sehr oft "Ja". Ach, und eine Sache ist mir auch noch aufgefallen: Populär war es mal während meiner Grundschulzeit, aber als es dann "out" wurde hat auch keiner mehr gewagt darüber zu sprechen - hier ist es Mode - Ich rede von: Bauchfrei! Zieht wohl wie ein ansteckender Virus einmal komplett über die Erde. Ein schöner Anblick ist es nicht, vorallem wenn im Bus ein schwabbelndes, nacktes Etwas unaufhaltsam auf dein Gesicht zugesteuert kommt wenn du leider mal wieder den Gangsitz hast...

Ansonsten war ich auf meiner ersten dubiosen Hinterhof-Party, wo man dem Türsteher ein Code-Wort sagen musste, damit er die Tür aufmacht (ist verriegelt!) - ABER! es lief Elektro, ich musste die Gunst der Stunde ergreifen und mal einen Abend ohne von Raggaeton bedudelt zu werden verbringen! Waren mit den anderen Austauschstudenten und war ganz lustig ;-)

Die Woche habe ich mit arbeiten und trainieren verbracht. Mittwoch hatten wir den wöchentlichen "Deutsch-Stammtisch" und heute hatte ich mein erstes Trainingsspiel mit meiner neuen Handballmannschaft! Es läuft also alles nach gusto.

Am Wochenende fahre ich an's Meer und gucke mir die Küstenstädte Valpariso und Viña del Mar an! Ich berichte!

Abrazos, Niclas


Donnerstag, 4. Oktober 2012

Großstadt-Jungel

Hallo Fans! (den nehm ich mir mal raus ;-))

Ich weiß, es ist schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her seitdem ich euch das letzte Mal mit neuen chilenischen Abenteuern beglückt habe, aber ich hatte  - ausnahmsweise - mal richtig viel um die Löffel!

Während die letzte Septemberwoche noch so dahin plätscherte und ich mich erstmals einer leichten rötlichen Tönung im Gesicht erfreuen durfte, machte das Wetter so ziemlich was es wollte: Von 30° bis 0°, ob staubtrocken oder regnerisch - es war für jeden etwas dabei. Hier macht also nicht der April was er will sondern der September... da reimt sich nur leider nichts drauf: vielleicht Oktober, Oktober, der ist hier etwas grober?

Aber nein, lassen wir das lieber - es gibt schließlich weitaus spannenderes zu berichten:

Am vergangenen Freitag hieß es nämlich das erste Mal: buen viaje! - und das ganz allein in Chile. Ziel: Santiago! Hierbei bat sich mir die Chance auch endlich mal das hauseigene Busnetz auszutesten, von dem alle Rückkehrer so geschwärmt haben. Und es sollte mich nicht enttäuschen: Mit dem Busunternehmen mit dem dekadenten Namen "Talca, Paris y Londres" sollte ich also die 3 Stunden Fahrt zurücklegen. Schon von außen machte der Bus einiges her: Doppeldecker und frisch poliert so ganz im Kontrast zum Talquinischen Stadtbild.

Im zweiten Stock hatte ich mir dann auch meinen Sitz reserviert, Klasse: "Semi-Cama" (Halb-Bett). Der Name versprach definitiv nicht zu viel, klasse Beinfreiheit und Riiiiiiesenplatz um sich nach hinten zu lehnen ohne das der Hintermann meckert - Me gusta!

Die Fahrt verlief soweit auch ganz gut mit "Man On Fire" auf der Mattscheibe und Tee und Snacks zur rechten. Was fehlt? Genau, irgendwas peinliches musste mir am Besten noch passieren. Gesagt, getan da tropf ich doch den Laptop meines Nachbarn bei Rückgabe der Tasse mit Tee voll...Aber es lief Gott sei Dank Alles noch!

Angekommen in Santiago durfte ich dann auch gleich das größte U-Bahn-Netz Südamerikas bewundern und nahm die Metro nach Providencia, wo mich mein guter alter Freund Niklas, mit dem ich mein Jahr in den USA verbracht habe, in Empfang nahm.

Er wohnt in einem riesigen Haus mit rund 10 anderen Ausländern aus aller Welt die an einem Sprachkurs teilnehmen. Also erst einmal alle begrüßt, Sachen abgelegt und Treibstoff für den Abend gekauft (gleich mal von den "deutschen Preisen" hier in Santiago überrascht worden, wo das Bier dann auch gerne mal wieder 3,50 kostet).

Der Abend fing auch lustig an mit gemeinsamen Pizza-Essen und "Previa" wie man es hier liebevoll auf Spanisch nennt. Ab ging's dann nach "Bellavista", das In-Viertel Santiagos, das zufällig gleich um die Ecke lag (Jackpot!).

Hier wird das Feiern auch wieder etwas europäischer (die Preise leider auch); einige Eigenarten hab ich dann aber doch entdeckt: Nicht nur einmal baten uns (wir als 3 blonde Jungs in diesem Fall) verschiedene Paare doch bitte mit ihnen zu tanzen - unvorstellbar für den protektiven Deutschen, der seine Freundin wohl nie wildfremden zum Tanzen überlassen würde! Mir war es egal.

Das Highlight des Abends war jedoch wohl als wir uns auf dem Heimweg plötzlich in einer Menschentraube von fast 50 Leuten befanden, die auf die Beats eines Trommelduos tanzten. Spontan mitgemacht hatten wir noch einen ganz lustigen Tagesausklang!

Die Nacht war leider nicht lange, hatte es mir in einem der freien Zimmer gemütlich gemacht. Mit wem ich nicht gerechnet hatte, war die düster dreinguckende Haushälterin die mich Punkt 9:07 meinen Träumen entriss. Noch viel peinlicher war die Situation, weil ich ihr natürlich halbnackt erklären musste wer zur Hölle ich eigentlich bin. Ich hab keine Ahnung ob sie überhaupt verstanden hat welch 08/15 Spanisch-Kauderwelsch ich ihr im Halbschlaf beibringen wollte, aber es schien so als würde sich mich zumindest diesen Tag in Ruhe lassen.

Gegen Mittag ging es dann in Richtung Innenstadt. Niklas, Ich und ein amerikanischer Freund wollten ein Restaurant ausprobieren, welches den netten Namen "Fuente Alemana" (Deutscher Brunnen) trägt. Das einzige Deutsche an dem an fett nur so triefendem Burger-Etwas, das da dann vor uns lag war nur das Sauerkraut: Nährwert gefühlte 2000 kcal.



Im siebten Monat schwanger ging es mit der U-Bahn dann weiter Richtung "Museo de los derechos humanos" (Menschenrechts-Museum), welches sich hauptsächlich um die Jahre '73 - '90 dreht - also die Diktatur. Bin eigentlich kein Museumsmensch aber: WOW! Dieses Museum war so prägnant und intensiv wie lange keines. Gefundene Briefe kleiner Kinder an ihre gekidnappten (und meistens schon toten) Väter oder Mütter, Videos, in denen Opfer der Folter über ihre Gefangenschaft erzählten und ein Verzeichnis mit den Namen und Bildern jedes einzelnen Todesopfers. Das musste ich erstmal verdauen!

So entschieden wir uns in der Nähe des Plazas (jede chilenische Stadt hat einen "Plaza de Armas") in ein "Cafe Caribe" zu gehen. Das chilenische Äquivalent zu "Hooters" besteht hier aus Bedienungen die nicht ihre Oberweite sondern ihre langen Beine in extrem kurzen, engen Kleidern zeigen.

Zum Abschluss des Trips fuhren wir noch in die überdimensionale Mall, die ganze 6 Stockwerke umfasst - einfach riesig! Beim Einkaufen für das Abendessen im Mall-eigenen Supermarkt stießen Niklas und Ich dann auf eine Fundgrube: deutsches Bier! Insgesamt 7 Marken nahmen wir mit, von Astra über Bitburger bis hin zu Franziskaner - Prost!


"Kleine Verschnaufspause im 6. Stock mit wunderbarem Blick auf Santiago und seine Hügel!"

"Niclas, Lichter, Lecker" schlug auch wieder zu und ich preparierte dem Haus den typischen chilenischen "Once": Brot mit Salztomaten und Palta (Avocado-Creme). Ich mag es nicht herausfordern, aber VOX sollte bestimmt bald anklopfen um mich für das perfekte Dinner zu bekommen!

Aus Angst vor der Haushälterin quetschte ich mich in Niklas' kleines Zimmer und machte mich am nächsten Morgen auch schnellstmöglichst aus dem Staub um ihr nicht nochmal über den Weg laufen zu müssen! Ich hatte noch Zeit bis 15:00 und Niklas, ein paar Deutsche und Ich entschieden uns dazu noch in den Zoo zu gehen. Es war eine geniale Entscheidung: der Zoo liegt hier nämlich auf einem der zwei Hügel was beim Tiere beobachten außerdem einen wunderbaren Blick auf die Stadt ermöglicht:



"Mein Freund das Lama präsentiert mir seine Heimatstadt im Hintergrund!"

Von dem durchaus ermüdenden Hügelaufstieg ausgelaugt (ich glaube sogar ein Faultier würde in meinem jetzigen Zustand einen Halbmarathon gegen mich gewinnen) setzten wir uns noch in ein schönes kolumbianisches Restaurant auf einem Hausdach:


                                                                "Die Deutschen"

Mein Essen kam leider zu spät und ich musste mich schweren Herzens ohne Stärkung auf die Heimreise machen.

Also, viel passiert, viel gemacht, viel gesehen! Alles in allem ein gelungenes Wochenende! Und auch von dieser aktuellen Woche gibt es wieder viel zu erzählen aber ich lass euch noch 1-2 Tage Zeit um diesen Beitrag hier erstmal zu verdauen ;-)

Un abrazo, Niclas


Donnerstag, 20. September 2012

Fiestas Patrias

Tiquí, Tiquí, Ti!!! Und schon sind sie wieder vorbei, die Fiestas Patrias! In meinem Bauch bekämpfen sich die Reste der Unmengen an Empanadas, Chorripanes, Asados, Chichas, Terremotos, Pisco Sours und dem ein oder anderen Bier, die ich in den letzten 5 Tagen verschlungen habe! Wer bis hierhin nur "Bierhof" verstanden hat dem sei getrost gesagt, das auch ich mit der Hälfte der oben genannten Begriffe recht wenig anfangen konnte.

Angefangen hatte diese ganze Odyssee bei mir (wie berichtet) schon letzten Donnerstag. Richtig los ging es dann am Samstag mit einer der ersten "Fonda". Fonda, das ist nicht etwa ein berühmter Schauspieler aus Hollywood, sondern ein Volksfest, welches während den Fiestas Patrias stattfindet. Vergleichen kann das der otto-normal-Deutsche zur Verdeutlichung etwa mit der "Kerwe" (für die Kurpfälzer unter uns) bzw. der alljährlichen "Kirmes" (für alle anderen).

Diese Fonda hatte jedoch den dekadenten Namen "Fonda V.I.P." und fand in einem der angesagten Clubs hier in Form einer Feier mit diversen DJ's und Bands statt. Zu meinem Glück gab es auch einen "Elektroraum" - dachte ich zumindest...Bis 1 Uhr lief hier Chart-Dudelei und danach ebenfalls Reggaeton...muss mich also weiter mit dieser Art Musik vergnügen! Noch schlimmer (für mich) kam es, als im Hauptraum plötzlich eine Cumbia-Band auftrat und alle anfingen Cueca zu tanzen..leider (in manchen Fällen) musste ich dann nämlich die Tanzaufforderungen geschickt mit einem galanten "No puedo" abwehren um mich nicht bis auf die Knochenfasern zu blamieren.

Nachdem am Sonntag ein etwas ruhigerer Tag mit Fußball gucken des örtlichen Clubs angesagt war, ging es Montags feucht-fröhlich in des Nachbarn Hause weiter. Als ich spät des Nachts (für meine Begriffe) nach Hause kam, fand ich eine feierwütige Menge im Hinterhof vor, die gar nicht daran dachte klein bei zu geben:



Irgendwann zwischen 7 und 8 in der früh war dann auch der letzte Feierwütige ins Lummerland entschwunden. Das - Für den ein oder Anderen - böse Erwachen erfolgte leider keine 3 Stunden später. Immerhin war heute der 18. September - Nationalfeiertag! Das heißt, das für den restlichen Verlauf des Tages für die ganze Familie Empanadas gemacht werden mussten. Also ab ins Haus meiner Gasttante geschleppt und fleißig - genau - NICHT mitgeholfen. Leider weiß ich deswegen bis heute noch nicht wie man diese leckeren gefüllten Teigtaschen herstellt aber ich hab es bevorzugt mit dem mittelschweren Kater den ich hatte es mir auf dem Sessel bequem zu machen. Hinzu zu meinem Leiden  gesellte sich leider noch die im Radio dudelnde Cumbia-Musik, die sowieso schon seit 4 Tagen non-stop lief und sich jedes Lied für mich - seitdem - gleich anhörte. Wer wissen will wie diese wundervolle Musikrichtung klingt sucht sie auf youtube oder stellt sich ungefähr die neuste Hit-Single der Kastelruther Spatzen mit flottem Latino-rhythmus vor - immerhin haben die Empanadas geschmeckt!



Am Abend des 18. ging leider nichts, da irgendwie alle platt waren vom Abend davor. Achso, Fun-Fact 18. September: Wer an seinem Haus am 18. nicht die Chilenische Flagge hisst, bezahlt eine saftige Strafe! Diese Regel stelle man sich mal in Deutschland am 3. Oktober vor...sind wohl doch noch zu stark gebrandmarkt was Nationalstolz angeht - für mich hat es sich zumindest komisch angefühlt...diese "erzwungene" Vaterlandsliebe hier in Chile.

Am Mittwoch sind wir dann mittags auf den "Cerro", den Stadthügel gefahren um mit ein paar Verwandten zu grillen. Als Deutscher hab ich natürlich erst einmal doof in die Röhre geguckt, als man mir das Fleisch von der Grillzange in die Handfläche gab. Das sogenannte "asado" ist man nämlich auch gern mal mit der Hand! Alles in allem war es ein schöner Ausklang der Festtage mit wunderschönem Ausblick auf die Stadt und die Andenkordilleren!



Abends sind wir dann noch kurz auf die "Ramadas" (anderes Wort für "Fonda") am Flussufer und haben uns einen für Chile bekannten Cocktail gegönnt: den sogenannten "Terremoto" also "Erdbeben".  Unmengen Puderzucker, Weißwein und Sirup lassen jedes Naschkatzenherz höher schlagen - meines zumindest nicht, ich bleib beim deutschen Bier!

Abrazos, Niclas

Samstag, 15. September 2012

Schon wieder ein Jahr älter...

Hallo meine Lieben, ich melde mich dann auch mal wieder! Seitdem ich letztes Wochenende meinem Tod wieder ein Stückchen näher gekommen bin, ging es in meine mittlerweile dritte Woche hier in Chile. Doch was war passiert? Zum ersten Mal wurde mir das chilenische Nightlife gezeigt. Freitags abends, in meinen Geburtstag reinfeiernd zerrte man mich in meinen ersten lateinamerikanischen Nachtclub. Das erste was auffällt ist die Wand an Türstehern in die man auf dem schienbar ellenlangen Weg in die Disko begegnet. Außerdem muss man hier auf einer Liste stehen um schneller und vorallem umsonst in den Club zu kommen - man kann sich am Tag vorher einschreiben lassen. Ausgesucht hatte man natürlich einen Reggaeton-Club - Kulturschock für einen eingefleischten Europäer. Ich kann von Glück reden, dass ich mich die letzten 3 Jahre in einen Tanzkurs bequemt habe, da ich mir hier ansonsten wie die Mehrheit meiner deutschen Freunde am Tanzstil die Hüfte gebrochen hätte: Es ist alles sehr bewegt! Am Samstag war dann der Tag gekommen: mein letztes Jahr als junger Bursche war endgültig angebrochen...19 - oder wie ich es gerne sage: 18 + 1. Habe mir vorgenommen mit jenem Optimismus auch weiter zu zählen: 18 + 2, 18 + 3 und, und, und. Man sagt ja: Man ist immer so alt wie man sich fühlt! Zum Purzeltag gab es dann für mich nachdem ich kurz für den Abend einkaufen war ein schön geschmücktes Häuschen. Ich selber hatte mir zum Geburtstag ein von "Kunstmann" für den Exil-Deutschen gebrautes Naturtrübes geschenkt:
Zu Besuch kamen dann noch zwei Schwestern meiner Gastmutter inklusive Kinder um mit mir zu feiern. Neben verschiedenen chilenischen Köstlichkeiten und Bier gab es dann auch noch einen Kuchen und einen "Chile" - Anhänger für mich! Abends ging es dann abermals feiern...irgendwie hört das nie auf seitdem ich Abitur habe. Während der Woche gab es wieder viel Geschrei, Gerenne, Dreckige Hände und Sabbern - Doch, es sei euch gesagt ich komme damit gut zurecht! Wir hatten mit den Kiddies die ganze Woche kleine "Fiestas", da ja in der kommenden Woche Nationalfeiertag ist und man knapp eine Woche nicht arbeitet. Also kamen die Kiddies Montag bis Donnerstag in den Traditionskleidern zur Schule, tanzten Cueca und hatten verschiedene Spiele. Natürlich blieb ich auch nicht aus und nahm unter anderem im Seilziehen und dem "Eier-Wurf" teil. Das wahrscheinlich komischste Spiel der Chilenen ist jedoch ein Anderes. Leider macht es ihnen auch Unmengen Spaß...vorallem den Ausländern dabei zu zu gucken. Es gibt 4 Aufgabenfelder: Zuerst muss ein Ei auf einem Löffel balanciert werden, dann ein Luftballon aufgeblasen und zum platzen gebracht werden. Hat man das hinter sich muss man aus einer Schüssel Wasser ohne Hände ein Bonbon fischen und es in einem Haufen Mehl platzieren...Wie ich aussah könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Apropos Mehl! Ich bin indes unter die Köche gegangen! Dem Druck der Mitarbeiterinnen nachgebend doch endlich mal etwas Deutsches zu kochen haben sich Maike und ich erbarmt "Kaiserschmarrn" als Nachtisch zu kochen. So viel kann ich sagen: Ich habe noch alle Gliedmaßen, nichts ist explodiert und keiner musste aufgrund einer akuten Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus. Ganz im Gegenteil: Er war sogar echt lecker mit Apfelmousse als Beilage!!! Donnerstags war ich dann auch das erste Mal mit den Europäern hier von der Uni Pisco verköstigen..entsprechend europäisch war dann auch der Ausgang des Abends. Freitags arbeiteten wir nur halbtags und haben dann zuerst (um 12 Uhr mittags!!!) mit den Kindergärtnerinnen Ponche (Weißwein-Boule) getrunken bevor wir mit ein paar anderen Mitarbeiterinnen in ein Restaurant weitergezogen sind. Zu Mittag gab es dort neben einem köstlichen Vino ein sogenanntes "Chorillana"...Wer sagt das ungesundeste und fettigste Essen kommt aus den USA, den muss ich leider enttäuschen. Diese Kalorien-Bombe besteht aus Pommes, Fleisch und 3 Eiern oben drauf. Sehr lecker aber auch sehr gefährlich für die Sommerfigur! Nach einem kurzen Besuch bei unseren Ansprechpersonen von AFS hier in Talca ging es für mich noch auf den Geburtstag meiner Gasttante - mehr Pisco...während ich 5 Tage frei bekomme hat meine Leber Hochsaison. Heute ist Samstag...man trinkt durch bis Mittwoch. Da helfen auch deutsche Tugenden wie "Kein Bier vor vier" nicht...so etwas wird hier müde belächelt. Bis Donnerstag! Abrazos, Niclas

PS: Hier noch das versprochene Video meines neuen Zuhauses!


Sonntag, 9. September 2012

Kurioses Chile

Alo! So begrüßt man sich hier übrigens. Auch sonst ist hier sehr viel deutsches Erbgut übrig geblieben, nicht umsonst heißt die Top-Biermarke "Kunstmann - Das gute Bier". Trotzdem ist es dann als (blond und blauäugiger) Deutscher manchmal doch sehr komisch.. Erst heute, als wir mit einer der Sozialarbeiterin über den Markt im sozial sehr schwachen Norden geschlendert sind, ist mir aufgefallen wie oft das Wort "Gringo" hier im Zusammenhang mit Maike und mir fällt. "Gringo", so nennen sie eigentlich die US-Amerikaner...aber wir sehen halt leider wie welche aus. Und es ist verblüffend: Jedes Mal wenn ich dieses Wort aus dem Mund eines Einheimischen höre, bildet sich sofort eine gewisse Distanz in mir gegenüber diesem Individuum auf. Es klingt blöd, aber seit heute weiß ich ganz genau was das Wort "Kanacke" gegenüber Immigranten in Deutschland anrichten kann. Ansonsten verlief die Woche sehr ruhig. Am Donnerstag bauten wir zusammen mit den älteren Herrschaften ein Gartenhaus, in dem sie in Zukunft ihre Pflänzchen anbauen können. Mein Daumen ist mir zum Glück erhalten geblieben, aber natürlich komme ich als ausgebildeter Grobmotoriker nicht glimpflich davon - der Hammer, den irgendjemand auf dem Plastikdach hatte liegen gelassen ist mir bei einer ruckartigen Bewegung in klassischer Manier auf den Kopf gefallen...kleine Platzwunde inklusive. Hier das Bild der stolzen Bau-Amateure und des Ergebnisses (es fehlen einige):
Am Mittwoch (gehe die Woche jetzt mal rückwärts durch) war ich das erste Mal im Handballtraining. Trainiert wird hier an einer Universität etwas außerhalb der Stadt - der Spaß kostet mich knapp 45 Minuten meines Lebens..eine Tour. Nichtsdestotrotz stehe ich jetzt mit einer neuen, sehr netten und auch nicht ganz so schlechten Mannschaft wie ich das erwartet hätte, da. Dreimal die Woche darf ich mich nun meiner Leidenschaft widmen :-). Ansonsten sportl ich den Rest der Abende im lokalen Fitnessstudio..hab sonst abends nicht viel zu tun - und da man hier eh 3 mal am Tag sehr üppig isst, ist dies auch eine absolute Notwendigkeit. Generell genießen die Chilenen gerne und sind, was Sport angeht, ziemliche Faultiere. Um ehrlich zu sein hab' ich (außer meiner Handballmannschaft) bis jetzt genau 1 Person kennengelernt die nach meiner Frage ob wir nicht mal zusammen joggen gehen nicht angewiedert das Gesicht verzogen hat. Gleichermaßen kann ich an einer Hand die Menge an Frauen (und an der anderen Hand die Menge an Männern) abzählen, die ich bis dato mit schlanker Figur hab durch die Straßen schlendern sehen. Auf der anderen Seite hat das auch eine angenehme Note: Im Fitnessstudio laufen hier keine zwangskastrierte Anabolmonster herum. Jedoch wird auf Hygiene leider nicht viel wert gegeben, niemand benutzt ein Handtuch und die Gewichte haben schon einen maßgeblichen Rostgeruch. Hinzu kommt, dass man hier dauerhaft mit 150 Dezibel lauter, schlechter Home-Trainer-DVD Musik beschallt wird. Die Chilenen lieben übrigens Kurse...Während man sich in Deutschland höchstens mal beim Spinning mit anderen abstrampelt, gibt es hier mir davor unbekannte (mit gutem Grund wie ich bemerkt habe) Kurse wie "Insanity" und "BodyKombat". Vorstellen kann man sich darunter ungefähr das affigste was sich ein Individuum in der Öffentlichkeit antun kann. "Gekämpft" wird mit seinem eigenen Schatten - es nehmen Frauen UND MÄNNER teil. Muss mir jedes Mal ein Schmunzeln verkneifen wenn ich das halbe Fitnessstudio da rumhampeln sehe. Der Beschallung nicht genug ist das Treiben auch im Bus recht wild. Während man in Deutschland in der Straßenbahn womöglich eine Grille zirpen hören und ein Heuballen durch den Gang fegen würde, unterhalten sich die Chilenen gerne in üppiger Lautstärke. Deswegen setz ich mich - als berührungsscheuer Deutscher - lieber in ein colectivo..Immerhin gibt es da nur 3 andere Mitfahrer. Das nächste Mal erzähl ich euch wie das mit dem Nightlife hier so läuft.. bis dahin. Abrazos, Niclas

Montag, 3. September 2012

Und die Zeit fliegt...

...jetzt bin ich schon über eine Woche hier, hab schon die ein oder andere Achterbahn hinter mir und versuch mich Tag für Tag besser einzuleben. Und ich muss sagen: es klappt überragend! Die Devise für diesen Eintrag ist es jedoch erst einmal durch Bilder zu beeindrucken da ich A: ziemlich müde bin und B: eigentlich sonst nicht viel nennenswertes passiert ist. Die Rolle als Kindergärtner jedoch wächst so langsam in mir hab ich das Gefühl. Ich versteck mich zwar gerne noch vor den Eltern wenn sie ihre Kinder abholen, da ich einfach immer das Gefühl hab ich seh aus wie ein Hobbypädophiler; immerhin arbeite ich ja als MANN freiwillig in einem Kindergarten..für umme. Ich will nicht sexistisch sein aber die Auffassung das Kinder großziehen Frauensache ist geht mir wohl genetisch bedingt (als Geschenk meiner hominiden Vorfahren aus der Steinzeit) nicht vollständig aus dem Kopf. Nichtsdestotrotz hab ich einige der Würmer schon richtig ins Herz geschlossen:
Heute wurde es allerdings etwas spannender: Von den gerade mal 9-15 Monate alten Kiddies sind wir zu den 4-jährigen im Nebenzimmer gegangen. Die können (leider) auch schon reden...leider, weil ich sie echt kaum verstehe und sie dann immer beleidigt weglaufen. Vor andere unlösbare Rätsel stellen sie mich dann wenn es heißt "Ich muss Pipi" oder "Hab' nen Popel in der Nase"....cool bleiben Niclas, es sind nur Kinder. Sie nennen mich übrigens alle "tío" also Onkel - zuckersüß ich weiß! Das Problem ist nur, dass mich die Mädels heute echt nicht in Ruhe lassen wollten: "tío, tío, tío, tío hier, tío da" - Ich glaub ich kenne jetzt jeden Winkel und alle Geheimgänge auf dem Kindergarteneigenen Spielplatz. Am Samstag waren wir bei der Nachbarin den ein oder anderen Pisco verköstigen. Ging auch ziemlich lange...unter anderem weil hier die Zeit schon um eine Stunde vorgesetzt wurde. Ansonsten war ich noch auf dem "Cerro de la Virgen", ein Hügel mit Blick auf Talca und die Anden:
Achja, hab auch zum ersten Mal Empanadas, das Nationalgericht, gegessen und muss sagen es schmeckt echt köstlich! Gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Ei, Sauerkraut etc.
Andere Kuriositäten? Hatte heute ein geheimes Fotoshooting im Bus. Ein paar jüngere Mädchen hatten versucht (recht unauffällig hab natürlich nichts gemerkt :-D) Bilder von mir zu machen..mit dem Rücken zu mir. Als sie gemerkt haben, dass ich heimlich Grimassen gemacht hab, sind die rot angelaufen und haben's gelassen...war ganz lustig. Ach, und hab mich dann doch mal in den Spanischkurs der Uni bequemt. War ne gute Aktion, kenne jetzt noch ein paar mehr Europäer hier mit denen man sich auch mal den einen oder anderen Pisco genehmigen kann. Also, alles in allem in Butter! Melde mich die Tage (vielleicht ja dann endlich mit Video meines Hauses wenn ich's dann mal hinbekomm). Abrazos, Niclas